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/ 22.06.2013
Anna von Bayern (Hrsg.)

Karl-Theodor zu Guttenberg. Aristokrat, Politstar, Minister

Hannover: Fackelträger 2010; 217 S.; geb., 19,95 €; ISBN 978-3-7716-4453-6
Die Autorin und persönliche Freundin der Familie befasst sich in ihren nicht sehr kritischen Schilderungen mit dem „Phänomen Guttenberg“ (18). Darunter versteht sie den schnellen Aufstieg Guttenbergs zum Spitzenpolitiker und seine hohen Zustimmungswerte in der Bevölkerung. Neben biografischen Ausführungen, die vor allem die lange Geschichte der Familie und deren Traditionsbewusstsein ins Zentrum rücken, konzentriert sich von Bayern vor allem auf die jüngste Zeit, seine kurze Phase als Generalsekretär der CSU, dann als Wirtschafts- und schließlich Verteidigungsminister. Guttenberg ist vor allem ein Medienphänomen, von Bayern spricht von „Popstarstatus“ (171) oder gar seiner Wahrnehmung als „Heilsbringer“ (169). Welche seiner politischen Positionen waren den Bürgern schon vor seiner ministerialen Laufbahn bekannt? Die relativ schwache Profilierung dieses Politikers vor seinem Wechsel ins Kabinett gleicht er vor allem durch Haltung oder sicheres Auftreten und eine enorme Medienpräsenz aus. Weder schadeten ihm sein Eintreten für eine Insolvenz von Opel, der in diesem Kontext der Kanzlerin angebotene Rücktritt, noch die schon ernsthaftere Kunduz-Affäre. Als neuer Verteidigungsminister hatte Guttenberg die Bombardierung eines Tanklastzuges mit vielen zivilen Opfern als angemessen klassifiziert. Bald stellte sich jedoch heraus, dass er einen entscheidenden Feldjägerbericht nicht kannte. Er entließ Generalinspekteur Schneiderhan und Staatssekretär Wiechert. Nach dem Rücktritt auch seines Vorgängers, des Arbeitsministers Jung, nahm die mediale Kritik an Guttenberg lange Zeit kein Ende. Doch es gelang dem Minister, die Einsicht in einen Fehler als Stärke zu darzustellen. Guttenberg wirke derart authentisch, dass ihm weder die Kunduz-Affäre noch sein Rücktrittsangebot nicht geschadet haben, meint von Bayern. Inwieweit diese Authentizität jedoch gerade medial inszeniert ist und derart eine Schwäche in eine Stärke verwandelt, fragt die Autorin nicht. Dies klingt nur durch, wenn sie am Rand bemerkt, dass die „Guttenberg-Euphorie […] mit konkretem politischem Inhalt wenig bis nichts zu tun“ (165) hat.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.32.331 Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Anna von Bayern (Hrsg.): Karl-Theodor zu Guttenberg. Hannover: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32654-karl-theodor-zu-guttenberg_38976, veröffentlicht am 19.10.2010. Buch-Nr.: 38976 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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