/ 20.06.2013
Marlis Prinzing
Lothar Späth. Wandlungen eines Rastlosen
Zürich: Orell Füssli Verlag AG 2006; 440 S.; geb., 29,80 €; ISBN 978-3-280-05203-7Prinzing versteht ihr Porträt einer der „schillerndsten deutschen Persönlichkeiten der Gegenwart“ (10) bewusst nicht als politikwissenschaftliche oder landeshistorische Analyse der Amtszeit Späths. Vielmehr zeigt sie mit „journalistischem Werkzeug“ die einzelnen Lebensstationen des Politikers auf – sie spricht von „biografischen Wegmarken“ (13). Für dieses Buch hat sie eine Fülle von Gesprächen mit Späth selbst und mit Weggefährten geführt und ihn bei vielen Veranstaltungen beobachtet. Sie bezeichnet ihn als „Aufbautyp“ (12), der in rasendem Tempo seine Karriere gestaltete. Er startete als Kommunalpolitiker und realisierte bereits im Alter von 23 Jahren als Stadtinspektor in Bietigheim bei Stuttgart ein erfolgreiches Wohnungsbauprogramm. „Die Neue Heimat“ ernannte ihn 1970 zum Projektleiter in Baden-Württemberg. Parallel baute er seine politische Karriere auf. Nach der Wahl in den Landtag 1968 wurde Späth 1972 zum CDU-Fraktionsvorsitzenden, 1978 zum Innenminister und im selben Jahr auch zum Ministerpräsidenten ernannt. Die Amtszeit als Landesvater Baden-Württembergs stellt Prinzing ausführlich dar und berichtet über seine Erfolge in den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur, über die Zusammenarbeit mit europäischen Nachbarn und Projekte in China und Japan sowie seine Wahlerfolge. Die Autorin ist voll des Lobes für Späth, lässt aber auch dessen unrühmlichen Abstieg vom Amt des Ministerpräsidenten 1991 nicht unerwähnt. Nur wenige Monate später ging es wieder bergauf: Dem „Rastlosen“ gelang es, das Carl- Zeiss-Kombinat in Jena zu reformieren und zur „Jenoptik“ zu transformieren. Nach dem Ende dieser kreativen Phase als Manager 2003 sei es um ihn zunächst ruhiger geworden – bis er mit 67 Jahren den Vorsitz bei der Investmentbank Merrill Lynch übernommen habe. Noch immer sei Späths Popularität ungebrochen, bis heute würden sich mit dem Namen „Hallen füllen“ (10) lassen. Doch die Zahl seiner Kritiker sei ebenso beachtlich – in jedem Fall polarisiere er.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.3 | 2.325 | 2.331
Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Marlis Prinzing: Lothar Späth. Zürich: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/23513-lothar-spaeth_26994, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 26994
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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