Skip to main content
/ 21.06.2013
Katharina Leinberger

Migrantenselbstorganisationen und ihre Rolle als politische Interessenvertreter. Am Beispiel zweier Dachverbände in der Region Berlin-Brandenburg

Berlin: Lit 2006 (Region – Nation – Europa 42); XIII, 128 S.; brosch., 14,90 €; ISBN 978-3-8258-9687-4
Diplomarbeit Potsdam. – „Gelingt es Migrantenselbstorganisationen, Einfluss auf politische Willensbildungs- und Entscheidungsfindungsprozesse geltend zu machen?“ (6) Jenseits der seit den 80er-Jahren geführten Debatte um Segregation versus Integration stehen in dieser Arbeit die politischen Wirkungen von Migrantenorganisationen im Mittelpunkt. Durch das Fehlen der deutschen Staatsbürgerschaft stellt die Selbstorganisation von Migranten oft die einzige Möglichkeit dar, politisch zu agieren. Die Autorin verortet diese Organisationen als zivilgesellschaftliche Akteure, die als Interessenvertreter und „pressure groups“ am politischen Prozess teilhaben können. Aus der theoretischen Diskussion über die Funktion von Zivilgesellschaft leitet sie Bestimmungsfaktoren für das Einflusspotenzial von Migrantenorganisationen ab. Danach hänge die Mitwirkung an politischen Entscheidungsprozessen erstens von den Gelegenheitsstrukturen (z. B. Zugang zum politischen System, Qualität politischer Bindungen) und zweitens von der Ressourcenausstattung (z. B. Humankapital, Medienkompetenz) ab. Diese Hypothesen werden am Beispiel des Türkischen Bundes Berlin-Brandenburg (TBB) und des Migrationsrates Berlin-Brandenburg (MRBB) überprüft. Beide Organisationen verfolgen ähnliche Ziele, sind ähnlich strukturiert und sie treffen auf die gleichen Gelegenheitsstrukturen, dennoch „erscheint die Arbeit des TBB ungleich wirksamer und einflussreicher als die des MRBB“ (97). Die Autorin führt dies darauf zurück, dass zwar die politischen Opportunitätsstrukturen von entscheidender Bedeutung für den Einfluss der Organisation sind, die erfolgreiche Umsetzung ihrer Ziele aber wesentlich davon abhängt, wie die Organisation die dafür erforderlichen internen Ressourcen mobilisieren kann. Insgesamt – so das Fazit – sind Organisationen dieser Art ein geeignetes Mittel für Migranten, sich mit ihren Interessen in der Öffentlichkeit Gehör zu verschaffen. Sie werden zunehmend als Partner für integrationspolitische Fragen anerkannt – insofern wird ihre politische Bedeutung in der Bundesrepublik tendenziell steigen.
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.3312.325 Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Katharina Leinberger: Migrantenselbstorganisationen und ihre Rolle als politische Interessenvertreter. Berlin: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/28547-migrantenselbstorganisationen-und-ihre-rolle-als-politische-interessenvertreter_33640, veröffentlicht am 26.03.2008. Buch-Nr.: 33640 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA