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/ 20.06.2013
Michael Schüring

Minervas verstoßene Kinder. Vertriebene Wissenschaftler und die Vergangenheitspolitik der Max-Planck-Gesellschaft

Göttingen: Wallstein Verlag 2006 (Geschichte der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft im Nationalsozialismus 13); 416 S.; brosch., 34,- €; ISBN 978-3-89244-879-2
Die Vertreibung jüdischer oder politisch missliebiger Wissenschaftler aus den Reihen der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft seit dem Frühjahr 1933 bedeutete einen tiefen Bruch in der Geschichte der weltweit anerkannten Forschungsorganisation. Die Max-Planck-Gesellschaft, die nach 1945 an die Stelle der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft trat, konnte Personal und materielle Ressourcen von ihr übernehmen, musste sich damit aber auch mit dem Problem der „Wiedergutmachung“ des den ehemaligen Kollegen zugefügten Unrechts befassen. Der Autor analysiert das Verhältnis der vertriebenen Mitarbeiter aus der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zu deren Nachfolgeorganisation in Hinblick auf die juristische bzw. materielle „Wiedergutmachung“, bezüglich der institutionellen Interessen der Max-Planck-Gesellschaft und hinsichtlich des vergangenheitspolitischen Diskurses einer westdeutschen Elitenformation in der Nachkriegszeit. Er kann auf allen diesen drei thematischen Ebenen zeigen, dass die Max-Planck-Gesellschaft in ihren frühen Jahren ein problematisches Verständnis der Rolle der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft im Nationalsozialismus besaß und dass es ihr lange Zeit schwer fiel, sich ihrer historischen Verantwortung zu stellen.
Kaspar Nürnberg (KN)
M. A., Historiker, Geschäftsführer des Vereins Aktives Museum, Berlin.
Rubrizierung: 2.35 Empfohlene Zitierweise: Kaspar Nürnberg, Rezension zu: Michael Schüring: Minervas verstoßene Kinder. Göttingen: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/25974-minervas-verstossene-kinder_30202, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 30202 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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