/ 11.06.2013
Volker Kunz
Parteien und kommunale Haushaltspolitik im Städtevergleich. Eine empirische Analyse zum Einfluß parteipolitischer Mehrheiten
Opladen: Leske + Budrich 2000 (Reihe Städte und Regionen in Europa 5); 396 S.; kart., 60,- DM; ISBN 3-8100-2518-6Politikwiss. Habilitationsschrift Stuttgart. - Die Arbeit füllt eine Lücke in der Policy Output-Forschung: Sie nimmt lokale Finanzpolitik empirisch-quantitativ in den Blick und untersucht die Bedeutung parteipolitischer Kräfteverteilungen für verschiedene kommunale Policies. Lassen sich zwischen bürgerlichen und sozialdemokratischen Mehrheiten signifikante Unterschiede in den Politiken feststellen: z. B. in bezug auf die Ausgabenpolitik, die Steuerbelastung der Bevölkerung, die Steuerung der Wirtschaft? Um solche Fragen beantworten zu können, bildet die politikwissenschaftliche Modellbildung den Schwerpunkt der Arbeit: Die übergreifende Theorie der politischen Systemanalyse Eastons wird für die Analyse kommunaler Haushaltspolitik herangezogen. Theorieteile werden "heruntergebrochen", Adaptionsstellen herausgearbeitet und die für die kommunale Haushaltspolitik relevanten Input-Faktoren auf der Grundlage z. B. der Regionalforschung abgeleitet. Durch die anschließende Integration kognitions- und handlungstheoretischer Ansätze wird ein umfassendes Kausalmodell etabliert. Dieses umfaßt damit sowohl die Effekte sozioökonomischer Input-Variablen (sozioökonomische Entwicklungsniveaus, sozial-demographischer Problemdruck, staatliche Investitionszuweisungen) als auch die Wirkung parteipolitischer Mehrheiten in den entscheidenden kommunalen Gremien auf die kommunale Finanz- und Personalpolitik. Überprüft werden dieses Modell und seine Teile durch die multivariate Analyse statistischer Daten aus 87 kreisfreien Städten der alten Bundesrepublik. Auf dieser breiten Datenbasis kann das integrierte Transformationsmodell nicht bestätigt werden: "Die Art und Weise, in der in Kommunen Bedarfe und Ressourcen in Outputs umgesetzt werden, unterscheidet sich in Städten mit sozialdemokratischen und christlich-demokratischen Mehrheiten nicht." (14) Hingegen lassen sich parteipolitische Effekte auf die konsumtiven und investiven Ausgaben in den Kommunalhaushalten feststellen (345). Die Untersuchung ist methodisch wie theoretisch sehr anspruchsvoll und durch ein vorzüglich strukturiertes wissenschaftliches Vorgehen gekennzeichnet: Der Nachvollzug und die kritische Auseinandersetzung werden so optimal ermöglicht.
Aus dem Inhalt: III. Modellbildung und Wirkungsmechanismen: 7. Public Choice-Ansätze zur Erklärung der kommunalen Haushaltspolitik; 8. Ein politikwissenschaftlicher Ansatz zur Erklärung der kommunalen Haushaltspolitik. IV. Poliometrische Analysen und Ergebnisse: 9. Zur Entwicklung der kommunalen Finanzen und der Beschäftigung im kommunalen Sektor; 10. Untersuchungslage; 11. Überprüfung der Meßmodelle; 12. Die Ergebnisse der Regressionsanalysen zu den Bestimmungsfaktoren der kommunalen Haushaltspolitik.
Christian Schütze (ChS)
Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.325 | 2.331
Empfohlene Zitierweise: Christian Schütze, Rezension zu: Volker Kunz: Parteien und kommunale Haushaltspolitik im Städtevergleich. Opladen: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/10272-parteien-und-kommunale-haushaltspolitik-im-staedtevergleich_12154, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 12154
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Politikwissenschaftler.
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