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/ 04.06.2013
Karl Rohe (Hrsg.)

Politik und Demokratie in der Informationsgesellschaft

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 1997 (Veröffentlichungen der Deutschen Gesellschaft für Politikwissenschaft [DGfP] 15); 127 S.; brosch., 38,- DM; ISBN 3-7890-5128-4
Vorträge und Diskussionsbeiträge der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Politikwissenschaft (DGfP) 1996. Der Band enthält völlig unterschiedliche Einschätzungen der politischen Effekte durch die Verbreitung von Informationstechnologien. Der Schwerpunkt liegt auf dem Medium Fernsehen, nur Gellner und Schweigler wenden sich explizit dem Internet zu. Innenpolitische und globale Aspekte halten sich die Waage. Bedeutet die Zunahme an Informations- und Kommunikationswegen verbesserte Partizipationschancen für den Bürger? Oder ist eine Entwicklung - wie beim Fernsehen - zu erwarten, in der die medienvermittelte Politik die Realität verdrängt und soziales Vertrauen sowie politische Beteiligung sinken (Oberreuter)? Mit der Privatisierung der Öffentlichkeit kann sich der Einzelne individuell verwirklichen und globale Informations- und Meinungsmärkte nutzen. Nach Gellner fehlt in dieser Vision jedoch das Politische: die Informationsgesellschaft bietet keine Normen und Strukturen des Zusammenlebens, keine integrierenden Kräfte, im Gegenteil: "Die rasant fortschreitende, vermeintliche Individualisierung wird die zunehmende Desintegration dieser Gesellschaft bewirken" (33). Pfetsch sieht den Ansatzpunkt für eine politikwissenschaftliche Kommunikationsforschung bei der Beeinflussung öffentlicher Meinung, konkreter: bei der politischen Öffentlichkeitsarbeit. Bürklin beklagt die Erosion des guten Journalismus zugunsten des zunehmenden "Infotainments", das seriöse Politik zum Schauspiel degradiere und "im schlimmsten Fall zum Kasperle-Theater" (58) mache. Der Autor erklärt diese Entwicklung u. a. mit dem abnehmenden Einfluß der Parteien auf die Medien, auch durch die Ökonomisierung auf dem Medienmarkt. Doch die Mediendemokratie habe durchaus ihre Vorzüge; so seien die "Medieneliten" ein wichtiges integratives Scharnier zwischen den verschiedenen sozialen Gruppen. Auch Gibowski hält das durch das Fernsehen vermittelte Bild politischer Probleme für "banalisiert" (82), zugleich werde das Fernsehen einen wachsenden Einfluß auf die zunehmende Zahl an Wechselwählern haben. Schweigler stellt als Einziger die neueren "Medien" in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Sein Fazit ist durchaus positiv. Er sieht zwar ebenfalls die globale Aufteilung in Informations- und Traditionsgesellschaften, aber vor allem erhofft sich der Autor Effekte der Gemeinschaftsbildung und dadurch Zonen des Friedens. Inhalt: Heinrich Oberreuter: Medien und Demokratie. Ein Problemaufriß (11-24); Winand Gellner: Individualisierung und Globalisierung. Die Privatisierung der Öffentlichkeit? (25-44); Barbara Pfetsch: Zur Beobachtung und Beeinflussung öffentlicher Meinung in der Mediendemokratie. Bausteine einer politikwissenschaftlichen Kommunikationsforschung (45-54); Wilhelm Bürklin: Politische Eliten in der Mediendemokratie (55-78); Wolfgang G. Gibowski: Gesellschaftlicher Wandel, politische Eliten, Mediendemokratie (79-84); Gebhard Schweigler: Internationale Politik: Schöne neue Weltordnung? (85-107); Winfried Scharlau: Internationale Politik – ein Kommentar (109-113); Walter Reese-Schäfer: Politik und Demokratie in der Informationsgesellschaft (Diskussionsbericht) (115-127).
Stefan Lembke (SL)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.3332.331 Empfohlene Zitierweise: Stefan Lembke, Rezension zu: Karl Rohe (Hrsg.): Politik und Demokratie in der Informationsgesellschaft Baden-Baden: 1997, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/5558-politik-und-demokratie-in-der-informationsgesellschaft_7247, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 7247 Rezension drucken
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