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/ 21.06.2013
Dieter Rucht / Mundo Yang / Ann Zimmermann

Politische Diskurse im Internet und in Zeitungen. Das Beispiel Genfood

Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2008; 224 S.; brosch., 24,90 €; ISBN 978-3-531-15942-3
Bei dieser Studie handelt es sich um die erweiterte Fassung eines Gutachtens von Forschern des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung, das sie im Auftrag des Deutschen Bundestages aus dem Jahr 2004 erstellt haben. Das Buch wurde einerseits um die einschlägigen wissenschaftlichen Debatten (Forschungsstand) und andererseits um ein Schlusskapitel ergänzt, in dem ein Vergleich mit ähnlich gelagerten Untersuchungen vorgenommen wird. Die materialreiche Studie bietet zweierlei: zum einen die Rekonstruktion der Auseinandersetzungen um Genfood (Empirie) und zum anderen die Frage nach dem Strukturwandel der Öffentlichkeit infolge von zunehmender Medialisierung und Internet-Kommunikation. Hinsichtlich der häufig konstatierten Bedeutungszunahme des Internets auch für die politische Kommunikation kommen die Autoren zu einem eher skeptischen Fazit. Als konkreten Nachteil dieses noch immer neuen Mediums sehen sie etwa die „Zersplitterung politischer Öffentlichkeit in voneinander weitgehend unabhängige Teilöffentlichkeiten“ (185). Außerdem fehle es im World Wide Web generell an Qualitätskontrollen, Seriosität und Wahrheitsanspruch. Um das Internet gewinnbringend zu nutzen, bedürfe es daher entsprechender Medien-Kompetenzen. Vorteile biete es bislang vor allem denjenigen, die eben darüber verfügten und aus der Vielzahl der Informationsmöglichkeiten die passenden und richtigen Informationen auszuwählen in der Lage sind. Für die politische Kommunikation gelte dieser Befund in besonderer Weise, sodass die Dominanz herkömmlicher Medien bis auf Weiteres nicht gefährdet sei. „Es gilt nochmals zu betonen, dass politische Kommunikation nur einen winzigen Bruchteil der webgestützten Kommunikation ausmacht und vor allem diejenigen einbezieht, die ohnehin politisch interessiert und aktiv sind. Als Mittel der politischen Kommunikation bietet das Internet einige Vorteile aus der Sicht interessierter Bürgerinnen und Bürger, wird aber in seiner Bedeutung als Medium zur Aktivierung der Bürgerschaft und zur Demokratisierung von politischen Diskursen überschätzt.“ (186)
Rainer Benthin (RB)
Dr., Politikwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, Institut für Soziologie, Universität Jena.
Rubrizierung: 2.222.333 Empfohlene Zitierweise: Rainer Benthin, Rezension zu: Dieter Rucht / Mundo Yang / Ann Zimmermann: Politische Diskurse im Internet und in Zeitungen. Wiesbaden: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/29342-politische-diskurse-im-internet-und-in-zeitungen_34706, veröffentlicht am 23.09.2008. Buch-Nr.: 34706 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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