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/ 18.06.2013
Anna Geis

Regieren mit Mediation. Das Beteiligungsverfahren zur zukünftigen Entwicklung des Frankfurter Flughafens

Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2005 (Studien zur politischen Gesellschaft 6); 347 S.; brosch., 34,90 €; ISBN 3-8100-3988-8
Politikwiss. Diss. Hamburg; Gutachter: M. Greven. - Geis untersucht die Wirkungen des Mediationsverfahrens, das im Rahmen des Entscheidungsprozesses über die Erweiterung des Frankfurter Flughafens eingesetzt wurde, auf den politischen Entscheidungsprozess. Die Autorin betrachtet das Mediationsverfahren nicht in erster Linie unter der Fragestellung einer Erweiterung von Partizipationschancen, sondern aus einer „„kontextualisierenden Perspektive“„, bei der die Spannungen und Reibungspunkte zwischen diesem informellen Verfahren und dem verfassungsmäßig institutionalisierten Entscheidungsprozess im Zentrum des Interesses stehen. Zunächst gibt Geis einen fundierten Überblick über den Stand der Forschung zum Mediationsverfahren und entwickelt daraus „„Legitimationsanforderungen“„, die beim Einsatz dieses informellen Verfahrenstyps zu berücksichtigen sind. Die genaue empirische Rekonstruktion und kritische Analyse des wegen seines Zustandekommens und des Verdachts der fehlenden Ergebnisoffenheit umstrittenen Frankfurter Verfahrens stützt sich auf umfangreiche schriftliche Dokumente, auf Interviews sowie teilnehmende Beobachtung. Geis arbeitet heraus, wie das Verfahren zu einer frühzeitigen Sensibilisierung und Politisierung der Öffentlichkeit sowie zu einer Rationalisierung der Diskussion und zur Verbesserung des Informationsstandes der Akteure beigetragen hat. Inwieweit die durch das Verfahren institutionalisierten Akteursbeziehungen langfristig tragfähig sind und zu einer „„Neukonfigurierung der politischen Machtkonstellation innerhalb des Geflechts von Kommunal-, Regional- und Landespolitik führen“„ (264), kann im Rahmen dieser Studie nicht abschließend beantwortet werden. Die hohe faktische Bindungswirkung des Ergebnisses zeigt, dass die Untersuchung solcher nicht rechtlich bindender Verfahren im Kontext des Regierens äußerst notwendig ist. Die Studie beweist zudem, dass eine solche Analyse sowohl für die Forschung über Mediation als auch über verschiedene Formen des Regierens sehr fruchtbar ist.
Julia von Blumenthal (JB)
Prof. Dr., Institut für Sozialwissenschaften, Humboldt-Universität zu Berlin.
Rubrizierung: 2.3312.325 Empfohlene Zitierweise: Julia von Blumenthal, Rezension zu: Anna Geis: Regieren mit Mediation. Wiesbaden: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/20046-regieren-mit-mediation_23348, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 23348 Rezension drucken
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