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/ 17.06.2013
Udo Ulfkotte

So lügen Journalisten. Der Kampf um Quoten und Auflagen

München: Goldmann 2002; 416 S.; ISBN 3-442-15187-2
Nicht alle Journalisten lügen. Auch beteiligt sich nicht jede Zeitung am Scheckbuch-Journalismus. Aber viele eben doch. Ob Sensationslust, Schlamperei, politische Absichten oder finanzielle Interessen hinter einer aufgebauschten Meldung stecken, ist oft nur schwer oder gar nicht zu durchschauen. Der Autor, der auch als Nahost- und Terrorismusexperte für eine Tageszeitung arbeitet und an der Universität Lüneburg Spionageabwehr lehrt, kritisiert die Journalisten dafür, allein um der Auflage oder der Einschaltquote willen auch Falschmeldungen zu veröffentlichen. Kritikwürdig seien zudem die Wissenschaftler, die sich ungeachtet des Wahrheitsgehaltes einer Meldung zitieren lassen, um sich als Empfänger von Forschungsgeldern ins Gespräch zu bringen. Als Beispiel nennt der Autor das einst dramatisch angekündigte Waldsterben, das ausgeblieben sei. Ulfkotte erwähnt natürlich, dass das Aufbauschen von (Falsch-)Meldungen ein altes Geschäft ist. Das populärwissenschaftliche Buch liest sich der zahlreichen Beispiele wegen sehr kurzweilig. Dennoch ist die Frage, die mit den Falschmeldungen verknüpft ist, eine ernste. Die Realität, die von den Medien erzeugt wird, hat Konsequenzen auch für politische Debatten bis hin zu der Frage von Krieg und Frieden. Der Autor verweist hier auf die NATO-Propaganda im Kosovo-Krieg und wirft den Medien vor, nicht ausreichend nach den Motiven des Westens gefragt zu haben. Ähnliches gelte beispielsweise für die Afrika-Politik der USA, bei der keineswegs die Durchsetzung der Menschenrechte, sondern die Eroberung neuer Absatzmärkte ausschlaggebend sei. Der Medienkonsument sollte sich angesichts dieser kleinen internationalen Mediengeschichte der Falschmeldungen wohl besser die Einstellung des der Fälschung überführten TV-Reporters Born zu Eigen machen, wonach "Fernsehen eben Showbusiness" (28) sei - und Teile der Presse in diese Definition einbeziehen. Zur teilweisen Ehrenrettung eines Berufsstandes erwähnt Ulfkotte immerhin auch die Journalisten, die Falschmeldungen immer wieder aufdecken.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.222.333 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Udo Ulfkotte: So lügen Journalisten. München: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/16666-so-luegen-journalisten_19145, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 19145 Rezension drucken
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