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/ 01.08.2013
Eckart Lohse / Markus Wehner

Steinbrück. Biographie

München: Droemer 2012; 364 S.; geb., 19,99 €; ISBN 978-3-426-27593-1
Peer Steinbrück hat noch keine Wahl gewonnen. Doch 2011 war er zeitweise der beliebteste deutsche Politiker, auch ohne Amtsbonus. Inzwischen ist der SPD‑Spitzenkandidat auf den vorletzten Platz des Beliebtheits‑Rankings der ARD gerutscht. Die Euphorie hat sich gelegt, das Interesse an seiner Person aber nicht. Die beiden FAZ‑Journalisten Lohse und Wehner beschreiben Steinbrücks Laufbahn kritisch aber ausgewogen: Ab 1978 arbeitete Steinbrück als Hilfsreferent im Kanzleramt unter Helmut Schmidt; Steinbrück nennt den beliebten Altkanzler heute als politisches Vorbild, von dem er viel gelernt habe. Aus welcher Nähe oder Distanz dieses Lernen stattfand, wird nicht ganz klar – nach eigener Erinnerung hat er den Kanzler erst nach fast einem Jahr das erste Mal persönlich getroffen und ihm nur wenige Male direkt Bericht erstatten können. Nach eineinhalb Jahrzehnten in diversen Referentenstellungen begann er seine Karriere als Berufspolitiker 1990 als Staatssekretär im Kieler Umweltministerium. Grüne, Umweltschützer und Friedensdemonstranten blieben ihm suspekt. „Er versteht sich […] als ein rechter Sozialdemokrat, keinesfalls als Linker.“ (85) Steinbrück war dreimal Landes‑, einmal Bundesminister sowie für zweieinhalb Jahre NRW‑Ministerpräsident. 29 Jahre nachdem Helmut Schmidt sich mit 64 Jahren aus Altersgründen gegen eine erneute Spitzenkandidatur entschied, empfahl er 2011 medienwirksam den 64jährigen Steinbrück als SPD‑Kanzlerkandidaten. Die Autoren charakterisieren Steinbrück auf dem Hintergrund seiner Laufbahn ausführlich: Er könne effizient organisieren, erfolgreich ein Ressort leiten, habe eine präzise anschauliche Sprache und einen hohen Intellekt. Mit Rückgrat kritisiere er auch Vorgesetzte, sei leider dabei aber wenig diplomatisch. Selbstkritik sei nicht seine Stärke, er „verteidigt seine Ausreißer, kokettiert mit ihnen.“ (335) Er sei kein Visionär, habe ein Image als wirtschaftsfreundlicher Technokrat, teils auch als cholerischer, unduldsamer Egomane. „[W]enn ihm eine Meinung als dumm oder falsch erscheint, bringt er sein Missfallen herablassend und selbstgerecht zum Ausdruck.“ (104) Er sei aber nicht so „kompromisslos und hart, wie er gern tut“, er „will eben doch gemocht und geliebt werden“ (334). Parteipolitisch oder als Abgeordneter sei er wenig engagiert gewesen, aber da die Bevölkerung eine Sehnsucht nach dem „anderen, dem atypischen Politiker“ (337) habe, müsse das kein Nachteil sein. Wenn ein SPD‑Spitzenkandidat den Wahlsieg gegen Merkel schaffen könne, beschließen die Autoren ihr lesenswertes informatives Buch, dann er.
Wolfgang Denzler (WDE)
Diplom-Journalist, Student, Institut für Politikwissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.32.331 Empfohlene Zitierweise: Wolfgang Denzler, Rezension zu: Eckart Lohse / Markus Wehner: Steinbrück. München: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/36024-steinbrueck_43295, veröffentlicht am 01.08.2013. Buch-Nr.: 43295 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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