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/ 20.06.2013
Kai Wegrich

Steuerung im Mehrebenensystem der Länder. Governance-Formen zwischen Hierarchie, Kooperation und Management

Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2006 (Interdisziplinäre Organisations- und Verwaltungsforschung 14); 293 S.; brosch., 29,90 €; ISBN 978-3-531-14610-2
Ausgehend von der in der politikwissenschaftlichen Literatur verbreiteten These, dass kooperative Steuerungsformen zunehmend staatliches Handeln prägen, und der Annahme, dass durch neue Steuerungsmodelle in der Verwaltung Elemente des Wettbewerbs an Bedeutung gewinnen, analysiert Wegrich „Formen der Kontrolle kommunalen Verwaltungshandelns durch Aufsichtsbehörden der deutschen Länder“ (13). Mit einem aus dem breiten Spektrum der Governance-Forschung entwickelten Forschungsansatz untersucht der Autor, wie die idealtypisch unterschiedenen Governance-Formen der Hierarchie, der Kooperation und des Wettbewerbs real zu beobachten sind, in welcher Kombination sie auftreten und welche Konflikte zwischen ihnen auftreten. Als empirisches Feld dient ihm die Bauaufsicht. Darüber hinaus wird untersucht, welche Auswirkungen die Verwaltungspolitik der Länder hat. Wegrich rekonstruiert nicht einzelne Entscheidungsprozesse, sondern fragt nach „übergreifende(n) Handlungsorientierungen und -stile(n) in der administrativen Interaktion“ (28) der Länder Brandenburg, Schleswig-Holstein, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen. Diese Länderauswahl hat Wegrich nach den Kriterien Ost-West sowie zwei- versus dreistufiger Verwaltungsaufbau getroffen. Für seine Fallstudien hat er sowohl teilstandardisierte Interviews als auch eine standardisierte schriftliche Befragung durchgeführt. Im Ergebnis erweist sich die Bedeutung der Verwaltungspolitik als eher gering. Für die unterschiedliche Mischung hierarchischer und kooperativer Steuerungsformen ist in erster Linie der Ost-West-Gegensatz relevant, wobei die Betonung hierarchischer Steuerung in den ostdeutschen Ländern auch als Relikt des Transformationsprozesses interpretiert werden kann. Wegrich zeigt überzeugend, dass kein durchgehender Wandel zu kooperativen Formen stattgefunden hat und die noch wenig verbreiteten „wettbewerbsorientierte Steuerungsformen tatsächlich in einem Spannungsverhältnis zu etablierten Standards angemessenen Verhaltens in Aufsichtsbeziehungen stehen“ (256).
Julia von Blumenthal (JB)
Prof. Dr., Institut für Sozialwissenschaften, Humboldt-Universität zu Berlin.
Rubrizierung: 2.3252.32 Empfohlene Zitierweise: Julia von Blumenthal, Rezension zu: Kai Wegrich: Steuerung im Mehrebenensystem der Länder. Wiesbaden: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/24567-steuerung-im-mehrebenensystem-der-laender_28373, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 28373 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA