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/ 18.06.2013
Jens Fabian Pyper (Hrsg.)

"Uns hat keiner gefragt" Positionen der dritten Generation zur Bedeutung des Holocaust

Berlin/Wien: Philo Verlagsgesellschaft 2002; 291 S.; kart., 19,90 €; ISBN 3-8257-0247-2
Die Hälfte der hier versammelten Beiträge geht zurück auf ein Projekttutorium an der HU Berlin im akademischen Jahr 1999/2000. Auch wenn sie es als ihnen von außen angeheftet verstehen, akzeptieren die zwischen 1967 und 1977 geborenen Autoren des Bandes für sich das Attribut der "dritten Generation". Ohne dabei den Anspruch auf Repräsentativität zu erheben, nehmen sie als deren Vertreter "persönlich und wissenschaftlich" (7) und aus den verschiedensten fachlichen Perspektiven Stellung zu der für den Band titelgebenden Frage. Im Vorwort wird unter anderem auf die gesellschaftliche und publizistische Holocaust-Debatte rekurriert, die gerade für die junge Generation in ihrer Bedeutung zumindest neben die akademische und institutionelle Holocaust-Forschung getreten zu sein scheint. Gefragt wird daher auch, inwieweit nicht das eigentliche historische Ereignis inzwischen "von den Debatten um Begriffe, um Repräsentierbarkeit und Erinnerungskultur" (8) überlagert bzw. verdrängt wird. Insgesamt versteht sich der Band als den Versuch, "die Anlässe für das eigene Nachdenken in historischen Kontinuitäten und Brüchen zu reflektieren" (7). Inhalt: Jens Fabian Pyper: Die Bedeutung des Holocaust für unsere Generation (13-40); Charlotte Misselwitz: "Ich bin nicht religiös. Ich bin Kommunist." Ein gemeinsamer Nenner zwischen Juden und Nichtjuden in der DDR. Erfahrungen dreier Generationen im Umgang mit der Vergangenheit (41-66); Nina Leonhard: Politikbewußtsein und Vergangenheitsbezug in der dritten Generation. Ein Forschungsprojekt zum Wandel der Erinnerung an Nationalsozialismus und Holocaust (67-100); Fabian Rüger: Vom Deutsch-Sein. Polemische Skizze eines nationalen Identitätsempfindens in der dritten Generation (101-117); Meike Herrmann: Erzählt wird immer. Holocaust-Erinnerung in der jüdischen Tradition (119-149); Johannes Valentin Schwarz: Die Schoah als staatsbürgerliche Religion? Eine historisch-religionswissenschaftliche Deutung der Sakralisierung des öffentlichen Gedenkens in Israel und Deutschland (151-185); Fabian Goppelsröder: Erinnerungskultur als Diskurs. Probleme und Chancen ästhetischer Kommunikation in der Holocaust-Debatte (187-208); Peter Rigney: Der Gedächtnisort des Mahnmals. Eine Lokalisation des temporären Raumes (209-243); Gesine Grossmann: "Es gibt eine Schwierigkeit zu sprechen." Psychologisch inspirierte Anmerkungen zur Bedeutung des Holocaust in der dritten Generation (245-271); Caterina Klusemann: Holocaust Babylon (273-287).
Thomas Nitzsche (TN)
M. A., Fachreferent für Politikwissenschaft, Soziologie und Wirtschaftswissenschaft an der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek in Jena (ThULB).
Rubrizierung: 2.35 Empfohlene Zitierweise: Thomas Nitzsche, Rezension zu: Jens Fabian Pyper (Hrsg.): "Uns hat keiner gefragt" Berlin/Wien: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/17375-uns-hat-keiner-gefragt_20005, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 20005 Rezension drucken
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