/ 20.06.2013
Christoph Keese
Verantwortung jetzt. Wie wir uns und anderen helfen und nebenbei unser Land in Ordnung bringen
München: C. Bertelsmann 2006; 268 S.; 16,- €; ISBN 978-3-570-00892-8Jede Menge Zeitgeist hat Keese, Chefredakteur der „Welt am Sonntag“, zwischen zwei Buchdeckel gepackt. Sein Einstieg ist allerdings wenig überzeugend, präsentiert er doch für die seiner Ansicht nach herrschende Verantwortungslosigkeit nur zwei Beispiele, in denen Unbeteiligte einen Gewaltverbrecher gewähren ließen – der eine Fall ereignete sich 1964 in den USA, der zweite 1987 in Hamburg. Bei aller Tragik lässt sich aus beiden Verbrechen allerdings wohl kaum schließen, dass wir in einer verantwortungslosen Gesellschaft leben. Auch der Verweis auf die berühmten Versuche des US-amerikanischen Psychologen Milgram aus den sechziger Jahren ist nicht gerade originell und die Feststellung, wie viele Treffer Google für den Begriff „Verantwortung“ verzeichnet, dürfte allenfalls ein Zufallsbefund und kein Maßstab für die weitere Abhandlung sein. Wie auch immer: „Nirgendwo tritt die akute Verantwortungskrise so deutlich zutage wie in großen Firmen, Behörden, Parteien und Regierungen“ (66), diagnostiziert Keese, es folgt ein Sammelsurium aus Philosophen-Zitaten und alltäglichen Beispielen. Ein kleiner Tipp des Autors noch: „Nur die Bereitschaft, das kleine Karo des Angestelltendenkens zu verlassen und mehr zu leisten, als offiziell erwartet wird, gibt Menschen in unbefriedigenden Jobs ihre Würde und einen Teil ihrer Selbstbestimmung zurück.“ (184) Und so ersetzten Binsenweisheiten die Analyse.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.35
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Christoph Keese: Verantwortung jetzt. München: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/25928-verantwortung-jetzt_30149, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 30149
Inhaltsverzeichnis
Rezension drucken
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
CC-BY-NC-SA