/ 21.06.2013
Günther Lachmann
Von Not nach Elend. Eine Reise durch deutsche Landschaften und Geisterstädte von morgen
München/Zürich: Piper 2008; 281 S.; geb., 18,- €; ISBN 978-3-492-05094-4Bleibt es bei der niedrigen Zahl an Zuwanderern, wird Deutschland im Jahre 2050 noch 67 Millionen Einwohner haben. Der Journalist Lachmann verbindet damit die Sorge, dass für viele Menschen die Heimat verloren gehen wird – denn der Bevölkerungsrückgang wird wahrscheinlich mit der Verödung ganzer Landstriche einhergehen. Nur die international wettbewerbsfähigen Metropolregionen mit guten ökonomischen und strukturellen Indikatoren wie „Altersstruktur, Ausbildungsplatzdichte, Arbeitseinkommen oder Produktivität“ (261) würden bestehen und damit die regionalen Unterschiede in Deutschland wieder zunehmen. Seine Interpretation stützt Lachmann auf Beobachtungen und Interviews in Kommunen, die bereits jetzt unter einem Rückgang ihrer Einwohnerzahlen leiden. Und dies trifft nicht nur auf Kleinstädte in Mecklenburg-Vorpommern zu, sondern auch auf die von Hamburg entfernt gelegenen Landstriche in Schleswig-Holstein, auf den Harz und zum Beispiel Duisburg oder auf Arzberg und Selb in Ostbayern. Beispielhaft zeigt Lachmann die Konsequenzen für die kommunale Selbstverwaltung (etwa in einem kleinen schleswig-holsteinischen Flecken, in dem ein moderner Feudalismus droht), für die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung angesichts der praktisch unvermeidlichen Schließung von Krankenhäusern und für Städte, in denen ganze Straßenzüge unbewohnt sind. Das Buch ist damit eine unmittelbare Bestandsaufnahme der gegenwärtigen Situation, die bereits trotz einer noch hohen Gesamtbevölkerungszahl eingetreten ist. Lachmann beklagt, dass „auf kommunaler Ebene [...] häufig Konzepte und Ideen [fehlen], um auf das Überaltern der Einwohner, den Verlust von Arbeitsplätzen und die Abwanderung der jungen Menschen zu reagieren“ (278). Entgegen der Ansicht des Autors, der die künftige Gefahr vor allem dem Bevölkerungsrückgang zuschreibt, legen seine Schilderungen tatsächlich aber den Eindruck nahe, dass der strukturelle Wandel von Wirtschaft und Gesellschaft entscheidend für die künftige Entwicklung des Gemeinwesens sein wird, nicht (nur) die Zahl der Einwohner.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.325 | 2.35 | 2.34 | 2.3
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Günther Lachmann: Von Not nach Elend. München/Zürich: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/29208-von-not-nach-elend_34536, veröffentlicht am 12.08.2008.
Buch-Nr.: 34536
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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