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/ 20.06.2013
Elisabeth Noelle-Neumann / Wolfgang Donsbach / Hans Mathias Kepplinger

Wählerstimmungen in der Mediendemokratie. Analysen auf der Basis des Bundestagswahlkampfs 2002

Freiburg i. Br.: Herder 2005 (Alber-Reihe Kommunikation 29); 242 S.; geb., 34,- €; ISBN 3-495-48109-5
Anhand umfangreicher und durchweg transparent dokumentierter Daten zur Bundestagswahl 2002 werden die Wechselwirkungen zwischen der medialen Darstellung von Politik, der individuellen Wahrnehmung des Wahlkampfs und der politischen Präferenzbildung der Bürger beleuchtet. Der zentralen Fragestellung nach dem Einfluss der Medien auf die Einstellungen einer Wählerschaft, die hinsichtlich des Werts „Parteiidentifikation“ bindungsloser wird, gehen die Autoren mittels eines „Mehr-Methoden-Ansatzes“ nach. Zum einen werden Daten des politischen Panels und der regelmäßigen Querschnittsbefragungen des Instituts für Demoskopie Allensbach herangezogen. Hinzu kommen Umfragen, die von der TU Dresden und der Universität Mainz zu Sonder/index.php?option=com_content&view=article&id=41317 wie den Fernsehduellen durchgeführt wurden. Außerdem wurden etwa 10.000 Beiträge in Zeitungen, Zeitschriften und Fernsehnachrichten mittels quantitativ-inhaltsanalytischer Verfahren ausgewertet. Die verschiedenen Einzelbeiträge erlauben somit einen methodisch differenzierten Blick auf die zentralen Gebiete der Medienwirkungsforschung: Thematisiert werden u. a. das Verhältnis von Selbstdarstellung und medialer Darstellung der Parteien, die Ursachen der Meinungsumschwünge zwischen 1998 und 2002, die Gründe für das gute Abschneiden der SPD in Ostdeutschland (nach Ansicht der Autoren der Irak-Krieg und die Flut), die Wahrnehmung des ersten Fernsehduells (wobei bemerkenswert ist, dass viele Menschen, die das Duell gar nicht gesehen hatten, ein Urteil fällten) und der scheinbar sinkende Einfluss so genannter Meinungsführer in Zeiten medial vermittelter Wahlkämpfe. Über die Kernthese der Autoren, dass nämlich der gestiegene Grad an Volatilität mit einem gestiegenen Einfluss unpolitischer, irrationaler und medial verzerrter Faktoren einhergeht, kann man sicherlich streiten. Insgesamt besticht der Band jedoch durch eine hervorragende Datengrundlage. Außerdem werden die daraus resultierenden Schlussfolgerungen stets dezidiert und argumentativ nachvollziehbar vorgebracht.
Markus Linden (LIN)
Dr., Politikwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, SFB 600 - Teilprojekt C7 "Die politische Repräsentation von Fremden und Armen", Universität Trier.
Rubrizierung: 2.3332.3322.331 Empfohlene Zitierweise: Markus Linden, Rezension zu: Elisabeth Noelle-Neumann / Wolfgang Donsbach / Hans Mathias Kepplinger: Wählerstimmungen in der Mediendemokratie. Freiburg i. Br.: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/24220-waehlerstimmungen-in-der-mediendemokratie_27911, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 27911 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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