/ 04.06.2013
Gerd Schultze-Rhonhof
Wozu noch tapfer sein?
Gräfelfing: Resch Verlag 1997; 302 S.; 4. Aufl.; hardc., 38,- DM; ISBN 3-930039-64-8Der Autor, zwischen 1959 und 1996 Heeressoldat der Bundeswehr bis zum Rang eines Generalmajors, geht von der Frage aus, "ob es sinnvoll ist, im ausklingenden 20. Jahrhundert als Soldat für Deutschland zu dienen" (9). In acht Kapiteln versucht er, unter verschiedenen Aspekten eine Antwort zu entwickeln. Einführend pointiert er seine im Buchtitel gestellte Leitfrage durch einen Katalog von "hinterlistigen Fragen" (11), die den Charakter des Bandes als Streitschrift betonen. Er geht aus von einer Darlegung der wesentlichen Tugenden und Werte, welche seiner Überzeugung und praktischen Erfahrung nach den Beruf des Soldaten in der Armee der Bundesrepublik Deutschland mit Sinn erfüllen. Tapferkeit und Treue hebt er dabei als die "Stammtugenden" des Soldaten generell hervor. Von daher erörtert er in den folgenden Kapiteln die Zeitgemäßheit, Zweckmäßigkeit und das Ansehen von Soldatenberuf und Wehrdienst in Auseinandersetzung mit einigen öffentlichen Kontroversen der jüngsten Zeit über Traditionsverständnis und künftige Funktion der Bundeswehr. Das sind in der Hauptsache die Fragen, welchen konkreten Bedarf an Landesverteidigung die Bundesrepublik nach der Auflösung des Warschauer Paktes inmitten der befreundeten Staaten der Europäischen Union hat, die kontroverse Bewertung des BVG-Urteils zur Zulässigkeit der Aussage "Soldaten sind Mörder!" als politische Meinungsäußerung, schließlich die Debatte über die Anknüpfung des soldatischen Selbstverständnisses in der Bundeswehr an die Tradition der Wehrmacht und ihre Funktion als Institution im NS-Staat, wie sie die historische Forschung hat erkennbar werden lassen. Im Ausgang dieser Kontroversen meint der Autor, Anzeichen für eine schwindende Akzeptanz der eingangs vorgestellten "soldatischen Tugenden" in der deutschen Gesellschaft ausmachen zu können. Grund hierfür sei der generelle Verlust an sinnstiftenden Werten, den er in einer fehlenden "Erziehung zu Haltung und Moral" in den Schulen, der "Demontage der Werte Familie und Nation" sowie der mangelnden Kompetenz antiautoritär erzogener Eltern in Erziehungsfragen begründet sieht (280). Folge davon sei eine Verunsicherung innerhalb der Armee sowie die abnehmende Bereitschaft, in der Bundeswehr Dienst zu tun. Der Autor verzichtet allerdings auf die Auseinandersetzung mit der einschlägigen Literatur zum Thema ebenso wie auf einen wissenschaftlichen Apparat und bringt auch keine empirischen Belege für seine Zustandsbeschreibung eines allgemeinen Werteverfalls bei.
Michael Hein (HN)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Arbeitsstelle für graphische Literatur, Universität Hamburg, freier Lektor, Übersetzer, Publizist.
Rubrizierung: 2.324 | 2.37
Empfohlene Zitierweise: Michael Hein, Rezension zu: Gerd Schultze-Rhonhof: Wozu noch tapfer sein? Gräfelfing: 1997, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/6396-wozu-noch-tapfer-sein_8697, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 8697
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Arbeitsstelle für graphische Literatur, Universität Hamburg, freier Lektor, Übersetzer, Publizist.
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