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/ 21.06.2013
Heleno Saña

Würde und Widerstand. Menschlichkeit in einer unmenschlichen Welt. Essays, Vorträge, Kontroversen

Köln: PapyRossa Verlag 2007; 229 S.; hardc., 18,- €; ISBN 978-3-89438-367-1
Zu den bekanntesten Büchern des 1959 nach Deutschland gezogenen Philosophen zählen „Die verklemmte Nation“ (1989) und „Das Ende der Gemütlichkeit“ (1992). Im neuen Essayband veröffentlicht er zwischen den Jahren 1994 und 2006 entstandene Texte, die überwiegend schon in „Die Brücke. Forum für antirassistische Politik und Kultur“ veröffentlicht wurden. Eine scharfe marxistische Kritik an der zeitgenössischen Verbindung aus Kapitalismus und Demokratie durchzieht die Texte. Um den durch sie erzeugten gesellschaftlichen Entfremdungszustand zu überwinden, plädiert Saña für „Selbstlosigkeit“ und die Bereitschaft, die Anderen „über uns selbst zu stellen“ (14). Dennoch sei der Kapitalismus nicht aus sich selbst heraus reformierbar. Dazu bedürfe es einer neuen Utopie. An anderer Stelle lässt Saña seine scharfe Zeitkritik in die resignative Perspektive münden, um keinen „geistigen Selbstmord zu begehen [l]ieber ein Außenseiter oder gar Besiegter zu bleiben“ (35). Auch in einem Interview mit Txema García wird deutlich, wie hart Saña gegen die Hoffnungslosigkeit anschreibt, da das 20. Jahrhundert doch nur Angst, aber keine Utopie hervorgebracht hat, die Herrschaft von Nationalstaaten und multinationalen Konzernen ablösen zu können. Auch die Postmoderne, so die Diagnose im darauf folgenden Text, kann mit ihrer „nihilistischen, destruktiven Weltanschauung“ (64) bei der Bewältigung der Krise nicht helfen. Dagegen plädiert Saña für Selbstlosigkeit und Demut und für das Gespräch mit einzelnen Menschen anstatt politischen Großveranstaltungen, um zu lernen, den Anderen – gemäß der Philosophie von Emmanuel Levinas – zu würdigen und zu respektieren. In vielen Texten betreibt der Autor feuilletonistische Zeitkritik, die wegen ihres marxistischen Duktus freilich in keiner der bekannten Zeitungen zu lesen wäre. Sie werden deswegen vor allem für jene von Interesse sein, die mehr über Saña erfahren wollen. Manche seiner kontroversen, nicht selten im Gestus des Märtyrertums vorgetragen Thesen wünschte man sich jedoch besser begründet.
Stefan Militzer (SM)
Dr., Publizist, Frankfurt a. M.
Rubrizierung: 2.32.2 Empfohlene Zitierweise: Stefan Militzer, Rezension zu: Heleno Saña: Würde und Widerstand. Köln: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/27461-wuerde-und-widerstand_32179, veröffentlicht am 16.08.2007. Buch-Nr.: 32179 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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