/ 20.06.2013
Andreas Wirsching
Abschied vom Provisorium. 1982-1990
Stuttgart: Deutsche Verlags-Anstalt 2006 (Geschichte der Bundesrepublik Deutschland); 847 S.; geb., 49,90 €; ISBN 978-3-421-06737-1Wirsching legt mit dieser monumentalen Studie den sechsten Band der Reihe vor, die von 1981 bis 1987 erschien. Anders als die „alten“ Bände ist dieses Buch keine bebilderte Prachtausgabe, sondern eine wissenschaftlich-nüchterne, gleichwohl flüssig geschriebene Abhandlung. Wirsching betreibt im Wesentlichen Politikgeschichte. Ausführlich widmet er sich den Problemen des Parteien- und Regierungssystems, der Außenpolitik und der Deutschlandpolitik. Das macht die Studie für Politikwissenschaftler besonders interessant. Aspekte der Sozialgeschichte spielen gleichfalls eine Rolle, so in den Kapiteln über den „Geist der achtziger Jahre“ und „Gebrochenes Fortschrittsbewußtsein“. Vor allem gelingt es Wirsching, auch über die großen Auseinandersetzungen der 80er-Jahre – deren Ausläufer ja zum Teil heute noch konfliktprägende Kraft haben – ausgewogen zu berichten. Insofern ist das Wagnis, Geschichte zu schreiben, die uns noch unmittelbar berührt, gelungen. Auch die Auswahl der Quellen – angesichts der Überzahl verfügbarer Materialien keine leichte Aufgabe – vermag zu überzeugen. Dem Problem der noch gesperrten staatlichen Akten begegnet Wirsching mit der Verwendung der DDR-Bestände (SAPMO) und dem Rückgriff auf umfangreiche Quellen in den Parteiarchiven. So bezeichnet er die Eigenart des Jahrzehnts mit dem Titel „Abschied vom Provisorium“, um sich selbst gleich unter den Vorbehalt des Vorläufigen zu stellen: „In dem Maße, in dem die historische Forschung fortschreitet, wird sich der provisorische Charakter auch dieses Buches erweisen. Wenn es einstweilen dem Leser die noch unübersichtliche Geschichte der Dekade bündelte und plastisch machte, ihn zugleich auf noch unbekanntes Territorium führte und Anstöße für künftige Forschungen gäbe, dann hätte es seinen Zweck erfüllt.“ (15) Genau das leistet diese schöne Studie.
Sebastian Lasch (LA)
M. A., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 2.313 | 2.331 | 2.35 | 2.341 | 2.342 | 2.37 | 4.21 | 2.315
Empfohlene Zitierweise: Sebastian Lasch, Rezension zu: Andreas Wirsching: Abschied vom Provisorium. Stuttgart: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/25831-abschied-vom-provisorium_29990, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 29990
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M. A., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
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