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/ 18.06.2013
Bjørn Lomborg

Apocalypse No! Wie sich die menschlichen Lebensgrundlagen wirklich entwickeln. Aus dem Englischen von Thomas Laugstien und Katrin Grünepütt

Lüneburg: zu Klampen Verlag 2002; 556 S.; hardc., 29,- €; ISBN 3-934920-18-7
Mithilfe sehr vieler, genau recherchierter Daten versucht Lomborg den "Mythos von der umweltzerstörenden Ökonomie" (52) zu demontieren. Der dänische Statistik-Professor, der am Fachbereich Politische Wissenschaften an der Universität Aarhus lehrte und vor kurzem von der Regierung zum Leiter des neuen Institute for Environmental Evaluation in Kopenhagen ernannt wurde, war eigentlich einmal ein überzeugtes Greenpeace-Mitglied und angetreten, die Ansichten eines US-amerikanischen Ökonomie-Professors zu widerlegen. Dieser hatte behauptet, dass sich die materiellen Lebensbedingungen für die meisten Menschen auf der Welt weiter verbessern würden. Bei der Sichtung der Daten und Überprüfung zahlreicher Statistiken unter anderem über die Versorgung mit Nahrungsmitteln, über die Erdölvorkommen in der Welt, die Wasservorräte, die Luftverschmutzung oder über den Treibhauseffekt ist Lomborg allerdings zu einem für ihn eindeutigen Ergebnis gekommen: Dem allergrößten Teil der Menschen geht es immer besser: sie leben länger, sind gesünder und besser ernährt, das Bildungsniveau steigt. Der Autor betont, dass dennoch nicht alles gut sei. Nur verstelle die ewige - ungerechtfertigte - Klage darüber, dass alles angeblich immer schlimmer würde und der Mensch die Natur vernichte, den Blick auf die wirklich wichtigen Probleme in der Welt, die es vorrangig zu lösen gelte. Diese sind für ihn eindeutig der Hunger und die Armut der Menschen in Afrika, für die er politische und wirtschaftliche Ursachen nennt, keine naturgegebenen. Die Entwicklungsländer sollten bei "strukturellen Veränderungen" unterstützt werden, wobei sie "auf den Weg von Demokratie und Gesetzlichkeit" (385) zu verpflichten seien. Das Hautproblem in der westlichen Welt sei die Luftverschmutzung, an der unnötigerweise immer noch viele Menschen sterben würden. Dass die Menschen bisher noch nicht die richtigen Prioritäten bei der Problembekämpfung gesetzt hätten - die Ressourcen seien schließlich begrenzt -, lastet Lomborg auch den Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace, World Wildlife Fund oder dem Worldwatch Institute an. Um ihre Existenz zu rechtfertigen und möglichst viele Spenden zu akquirieren, würden diese Organisationen die Umweltsituation unangemessen schwarz malen. Lomborg ist in diesem Zusammenhang allerdings vorzuwerfen, dass seine Kritik sehr einseitig, wenn auch nicht völlig falsch ist. Aber er spricht den Umweltorganisationen ihre Rolle bei der Bewusstseinsschärfung in Sachen Umweltschutz ab und erklärt Verbesserungen vor allem mit geänderten Techniken. Dies ist - in dem ansonsten sehr aufschlussreichen Buch - nicht überzeugend.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.2614.45 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Bjørn Lomborg: Apocalypse No! Lüneburg: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/17369-apocalypse-no_19993, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 19993 Rezension drucken
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