/ 22.06.2013
Wolfgang Petritsch / Vedran Džihić (Hrsg.)
Conflict and Memory: Bridging Past and Future in [South East] Europe
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2010 (Southeast European Integration Perspectives); 326 S.; 69,- €; ISBN 978-3-8329-4879-5Der Sammelband ist einem Thema gewidmet, das in den letzten Jahren erhebliche wissenschaftliche wie öffentliche Aufmerksamkeit erfahren hat: dem Umgang mit der Vergangenheit in Nachkriegsgesellschaften. In insgesamt 22 wissenschaftlichen und essayistischen Beiträge beschäftigen sich die Autoren mit Erinnerungsdiskursen und der (Re-)Konstruktion von Geschichte in diversen europäischen Staaten (Österreich, Deutschland, Spanien) mit einem Schwerpunkt auf den Nachfolgestaaten Jugoslawiens. Dabei wird der seit der konstruktivistischen Wende in den Sozialwissenschaften geltende Konsens geteilt, „Vergangenheit“ als ein ständig veränderbares Konstrukt zu begreifen. Die Einzelfallstudien und ländervergleichenden Untersuchungen zeigen, dass eine ernsthafte und kritische Auseinandersetzung mit der Vergangenheit vor allem drei Dinge benötigt, die in Nachkriegsgesellschaften selten vorhanden sind: Zeit, eine stabile Staatlichkeit und den politischen Willen der Eliten. Dass grundverschiedene Narrative sich nicht zwangsweise ausschließen müssen, sondern nur die verschiedenen Lebenserfahrungen zeigen, beweist Konstanty Gebert in seinem Beitrag über die polnische und jüdische Perzeption der Shoah. Paola Yacoub unternimmt eine von persönlichen Erfahrungen gespeiste gedankliche Reise durch die Hotels in Beirut und zeigt deren Bedeutung im libanesischen Bürgerkrieg. Die Beiträge, die sich mit dem westlichen Balkan beschäftigen, zeigen, wie seit den Zerfallskriegen im ehemaligen Jugoslawien Vergangenheit bewusst rekonstruiert wurde und wird, um ethno-nationalistische politische Programme zu unterfüttern und zu legitimieren. Edin Hajdarpašić analysiert die in Bosnien vorhandene Schwierigkeit, eine gesamtstaatliche und zwischen den Interessen und Vergangenheitserfahrungen der Kroaten, Serben und Muslime vermittelnde Identität zu schaffen. Nataša Kandić beschäftigt sich mit der Rolle von Nichtregierungsorganisationen bei der Aufarbeitung von Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverletzungen in den Konflikten des Westlichen Balkans. Insgesamt bietet der Band eine gut lesbare Zusammenstellung wertvoller Beiträge zu einem wichtigen Thema.
Christian Haas (CHA)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.23 | 2.35 | 2.61 | 2.63 | 3.6
Empfohlene Zitierweise: Christian Haas, Rezension zu: Wolfgang Petritsch / Vedran Džihić (Hrsg.): Conflict and Memory: Bridging Past and Future in [South East] Europe Baden-Baden: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33094-conflict-and-memory-bridging-past-and-future-in-south-east-europe_39539, veröffentlicht am 30.11.2010.
Buch-Nr.: 39539
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M. A., Politikwissenschaftler.
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