/ 20.06.2013
Michael Fischer (Hrsg.)
Der Begriff der Menschenwürde. Definition, Belastbarkeit und Grenzen
Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2004 (Salzburger Schriften zur Rechts-, Staats- und Sozialphilosophie 19); 328 S.; brosch., 56,50 €; ISBN 3-631-51981-8Zum Andenken an den 2001 verstorbenen Helmut Schreiner wurde im Mai 2003 ein Symposion der Grundlagenwissenschaften und Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Salzburg veranstaltet, dessen Vorträge abgedruckt sind. Die Texte der mehrheitlich juristischen Autoren sind vier Bereichen zugeordnet. Neben „Jurisprudenz“ und „Politik“ ist auch je ein Bereich mit „Medizin“ und „Kultur“ überschrieben. Ludwig Adamovich und Silvia Augeneder beschäftigen sich mit dem spezifischen Status der Menschenwürde in Österreich. Wolfram Karl untersucht ihre Rolle in der EU-Verfassungsdebatte. Einen sehr anregenden und klugen Beitrag hat Klaus Firlei darüber verfasst, wie wirklichkeitsfremd innerhalb der Würdedebatte häufig theoretisiert wird. Michaela Strasser liefert einen neuerlichen Versuch, den Begriff der Zivilgesellschaft zu systematisieren. Im Medizinteil steht die Biotechnologie im Vordergrund, aber auch je ein Beitrag beschäftigt sich mit Suizidprävention und den Rechten von Patienten. Der mit „Kultur“ überschriebene Abschnitt versammelt leider nur Texte gehobenen Feuilletons - im eigentlichen Sinn philosophische oder politiktheoretische Beiträge erwarten den Leser also nicht.
Aus dem Inhalt:
1. Jurisprudenz
Ludwig Adamovich:
Ethik in der Judikatur des Verfassungsgerichtshofes (17-23)
Wolfram Karl:
Die Rolle der Menschenwürde in der EU-Verfassungsdebatte (25-43)
Günther Kreuzbauer:
Argumentationsanalytische Betrachtungen zum Begriff der Menschenwürde (45-63)
Otto Lagodny:
Menschenwürde im Strafrecht - am Beispiel der grundrechtlichen Legitimation staatlichen Strafens (65-76)
Ota Weinberger:
Einheit oder Pluralität der Moral (77-88)
2. Politik
Silvia Augeneder:
Der Status der Menschenwürde im 20. Jahrhundert und heute am Beispiel Österreichs (91-105)
Willi Donner:
Widerstandsrecht, Tyrannenmord, Kant (107-121)
Klaus Firlei:
Der soziale Kontext der Menschenwürde (123-142)
Raimund Jakob:
Gott in die Verfassung? (143-159)
Reinhold Knoll:
Die Enzykliken - eine sonderbare politische Botschaft (161-174)
Helmut Kohlenberger:
Religion, Terror, Menschenwürde. Assoziationen (175-181)
Michaela Strasser:
Zivilgesellschaft: Ein Ort verantworteter oder verordneter Freiheit? (183-194)
3. Medizin
Reinhold Fartacek:
Suizid und Suizidprävention (197-214)
Robert Harsieber / Gerhard W. Hacker:
Menschenwürdiges Leben. Bemerkungen zu Grenzfragen der Medizin und Biotechnologie (215-234)
Gerhard Luf:
Menschenwürde in der Biomedizin (235-252)
Johannes W. Pichler:
Die Menschenwürde des homo patiens. Eine rechtssoziologische und rechtspolitische, zugleich persönliche Bilanz eines Patientenrechtlers (253-265)
Kurt S. Zänker:
Verliert die naturwissenschaftlich orientierte Medizin ihren ethischen Kontext? (267-273)
4. Kultur
Michael Fischer:
Der Mensch als Konstruktion. Über einige Paradoxa unserer Gegenwartskultur (277-283)
Manfred Jochum:
Der ungefesselte Prometheus. Ethische Grenzen des technisch Machbaren und die mediale Verantwortung (285-293)
Reinhard Kacianka:
Würde, Wert und nichts als Wörter. Gedanken-Stakkato zur Menschenwürde im Medial Turn (295-307)
Viktor Mayer-Schönberger:
A little knowledge is a dangerous thing (309-326)
Stefan Militzer (SM)
Dr., Publizist, Frankfurt a. M.
Rubrizierung: 5.44 | 2.21 | 3.2 | 2.4 | 2.23 | 2.25
Empfohlene Zitierweise: Stefan Militzer, Rezension zu: Michael Fischer (Hrsg.): Der Begriff der Menschenwürde. Frankfurt a. M. u. a.: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/22263-der-begriff-der-menschenwuerde_25394, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 25394
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Dr., Publizist, Frankfurt a. M.
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