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/ 21.06.2013
Astrid Lipinsky

Der Chinesische Frauenverband. Eine kommunistische Massenorganisation unter marktwirtschaftlichen Bedingungen

Berlin: Lit 2006 (Strukturen der Macht 15); VI, 299 S.; brosch., 29,90 €; ISBN 978-3-8258-9994-3
Diss. Bonn. – Können sich in China unter der Alleinherrschaft der Kommunistischen Partei überhaupt zivilgesellschaftliche Akteure herausbilden? Unter dieser übergreifenden Fragestellung untersucht die Autorin den Chinesischen Frauenverband (Fulian), der neben der Jugendliga und der Gewerkschaft zu den wichtigsten Massenorganisationen der KP zählt. 1949 gegründet, um unterschiedliche Frauenvereinigungen unter einem Dach zusammenzuschließen, wurde ihm von der KPCh der Alleinvertretungsanspruch für Frauenfragen übertragen. Der Fulian verfügt über ein dichtes staatsfinanziertes Organisationsnetz und wird an Regierungsaufgaben und Gesetzgebung beteiligt. Die enge Vernetzung mit Partei und Regierung, so die Autorin, widerspreche der Selbsteinstufung des Frauenverbandes als Nichtregierungsorganisation. Was der Verband genau ist, wie er sich im Zuge der Wirtschaftsreformen und der veränderten Rahmenbedingungen selbst positioniert und legitimiert, ist Gegenstand der Arbeit. Lipinsky beschränkt sich nicht nur auf eine Außenbetrachtung, sondern unternimmt eine detaillierte „Analyse ‚von innen’ auf der Grundlage der eigenen Äußerungen und rechtlichen Quellen des chinesischen Frauenverbandes“ (11). Sie beschreibt den Verband anhand seiner Satzungen, stellt seine wichtigsten Organe vor und zeigt seine Stellung in der chinesischen Gesetzgebung auf. Seine inhaltliche Arbeit wird am Beispiel von Frauenrechtsschutz und Petitionen sowie der Vermittlung von Frauen in Beschäftigungsverhältnisse in Privathaushalten untersucht. Hinsichtlich der Frage, ob und wie der Verband die Balance zwischen der Lobbyarbeit für die Interessen und Rechte der Frauen einerseits und seiner Funktion als eine Art „Staatsverband“ andererseits findet, zeigt sich eine nur zaghafte Loslösung des Verbandes von der Partei. „Ob die Partei einen größeren Abstand erlauben würde, muss offenbleiben, weil der ‚fulian’ nie versucht hat, einen solchen herzustellen.“ (16) Das Buch bietet eine äußerst sachkundige Analyse, die besonders von der langjährigen Zusammenarbeit der Autorin mit dem Frauenverband profitiert.
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.682.222.27 Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Astrid Lipinsky: Der Chinesische Frauenverband. Berlin: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/28562-der-chinesische-frauenverband_33657, veröffentlicht am 04.04.2008. Buch-Nr.: 33657 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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