/ 04.06.2013
Angela Grünert
Der längste Weg heißt Frieden. Die Frauen im ersten palästinensischen Parlament. Mit einem Vorwort von Rita Süssmuth
München: Deutscher Taschenbuch Verlag 1998; 384 S.; brosch., 28,- DM; ISBN 3-423-24145-4Am 20. Januar 1996 fanden in Palästina zum ersten Mal Parlamentswahlen statt. Unter den 654 Kandidaten, die sich für den Autonomierat zur Wahl stellten, befanden sich auch achtundzwanzig Kandidatinnen. Von den achtundachtzig Parlamentssitzen gingen fünf an Frauen, von denen zwei ein Ministeramt besetzen. Zwei Jahre lang begleitete Grünert, von 1995 bis 1998 Nahost-Korrespondentin der Berliner Wochenzeitung "Freitag", die fünf Parlamentarierinnen privat und in ihrem politischen Alltag. In ihren Porträts verknüpft die Autorin die unterschiedlichen Schicksale dieser Frauen, die als Palästinenserinnen den Befreiungskampf ihres Volkes führen, ihre gleichberechtigte Teilnahme jedoch als Frauen immer wieder auch gegen die patriarchalische Gesellschaft durchsetzen müssen, mit einzelnen Abschnitten der Geschichte Palästinas. So steht die aus einer Großfamilie mit feudaler Vergangenheit stammende Rauwia Schauwa für den historischen Hintergrund des Nahostkonflikts. Anhand ihrer Biographie wird der Einfluß des al-Schauwa-Clans und der traditionellen Großfamilie auf die Politik unter den wechselnden Fremdherrschaften dargestellt. Dschamila Saidam, deren Familie 1948 aus dem heutigen Israel vertrieben wurde und die sich besonders in den Flüchtlingslagern engagiert, verkörpert das Schicksal der Flüchtlinge. Die heutige Sozialministerin Intisar al-Wazir, Witwe des 1988 vom israelischen Geheimdienstes ermordeten Abu Dschihads, repräsentiert die Geschichte der PLO. Anhand ihrer Biographie wird der Wandel der al Fatah von einer Untergrundorganisation zur führenden Partei der PLO-Exilregierung bis zur international anerkannten Regierungspartei skizziert. Dalal Salameh, jüngste der fünf Parlamentarierinnen, steht exemplarisch für die Intifada-Generation. Anhand der Biographie Hanan 'Aschrawis, heute Hochschulministerin in Arafats Kabinett, werden die Hintergründe der Friedensverhandlungen, ihr Ursprung, ihre Idee und ihre heutige Realität, nachvollzogen. Die einzelnen Porträts geben nicht nur Einblicke in die Vergangenheit Palästinas, sondern spiegeln zugleich die vielfältigen Facetten der heutigen palästinensischen Gesellschaft wider.
Julia Schmidt-Häuer (JSH)
Dr., Referentin im wissenschaftlichen Dienst der SPD-Bürgerschaftsfraktion in Bremen.
Rubrizierung: 2.63 | 2.27 | 4.41
Empfohlene Zitierweise: Julia Schmidt-Häuer, Rezension zu: Angela Grünert: Der längste Weg heißt Frieden. München: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/6338-der-laengste-weg-heisst-frieden_8602, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 8602
Rezension drucken
Dr., Referentin im wissenschaftlichen Dienst der SPD-Bürgerschaftsfraktion in Bremen.
CC-BY-NC-SA