/ 03.06.2013
Kurt Plück
Der schwarz-rot-goldene Faden. Vier Jahrzehnte erlebter Deutschlandpolitik
Bonn: Bouvier Verlag 1996; 483 S.; geb., 49,80 DM; ISBN 3-416-02669-1Plücks Buch reiht sich in die zahlreichen Memoiren zur Wiedervereinigung ein. Anders als die meisten Berichte zentraler Akteure setzt er jedoch früher und auf anderer Ebene an: Plück war von 1952 bis März 1989 in verschiedenen Positionen auf der administrativen Ebene des Bundesministeriums für gesamtdeutsche Fragen bzw. für innerdeutsche Beziehungen tätig. Von 1964 bis 1982 arbeitete er im Bundespresseamt. So ist er in der Tat ein kompetenter Zeitzeuge der (christlich-liberalen) Deutschlandpolitik der Bundesregierung, wenn auch in verschiedenen Rollen: meist als indirekt Beteiligter, oft als interessierter Kommentator und seltener als einflußreicher Akteur. Plücks Einfluß bleibt weitgehend auf kleinere und mittlere Projekte beschränkt, wie etwa den innerdeutschen Kulturkalender, von dem er sagt: "Meine Intention war es, den Erosionsprozeß in der DDR auf friedlich-kulturelle Weise zu fördern." (398)
Plück macht deutlich, daß der Niedergang der SED-Herrschaft für ihn nur eine Frage der Zeit war. Dieses Gefühl einer moralischen Überlegenheit verbindet sich mit zahlreichen Passagen über die Bedeutung der Kirchen und der Religion im innerdeutschen Verhältnis. Ein roter Faden des Buches ist (zumindest mit der Kanzlerschaft Brandts) aber auch Plücks erklärtes Feindbild, die "Bahrpolitik" (318), und näherhin auch Egon Bahr, dessen Wandel durch Annäherung kategorisch als schädliches und falsches Konzept abgelehnt wird, und dies zum Teil mit geradezu aufdringlicher Besserwisserei. Überhaupt fällt die starke Personalisierung von Plücks Geschichte der Deutschlandpolitik auf, die sich nicht zuletzt in ausführlichen Charakterisierungen der jeweiligen Minister bzw. Dienstherren äußert. Plücks Erinnerungen sind eine inhaltliche und stilistische Mischung von erzählter Geschichte, persönlichen Beobachtungen, emotionsbetonten Reiseimpressionen ("meinem inneren Bilderbuch von Deutschland", 429), langen Zitaten aus zeitgenössischen Zeitungsartikeln sowie wissenschaftlichen Zeitschriften und teils polemischen politischen Stellungnahmen. Privates und persönliche Einschätzungen stehen neben interessanten Einblicken in die Details des deutschlandpolitischen Alltags mit Hinweisen auf Sensibilitäten im Blick auf Sprache, Protokoll und Umgang mit der DDR.
Manuel Fröhlich (MF)
Prof. Dr., Juniorprofessur für Politikwissenschaft, Universität Jena (www.manuel-froehlich.de).
Rubrizierung: 2.313 | 4.21 | 2.331 | 2.322
Empfohlene Zitierweise: Manuel Fröhlich, Rezension zu: Kurt Plück: Der schwarz-rot-goldene Faden. Bonn: 1996, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/3254-der-schwarz-rot-goldene-faden_4259, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 4259
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Prof. Dr., Juniorprofessur für Politikwissenschaft, Universität Jena (www.manuel-froehlich.de).
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