/ 05.06.2013
Christoph Neßhöver
Die Chinapolitik Deutschlands und Frankreichs zwischen Außenwirtschaftsförderung und Menschenrechtsorientierung (1989 bis 1997) Auf der Suche nach Balance
Hamburg: Institut für Asienkunde 1999 (Mitteilungen des Instituts für Asienkunde 302); 348 S.; 48,- DM; ISBN 3-88910-213-1Diese Studie, deren ursprüngliche Fassung als Magisterarbeit an der Universität Trier eingereicht wurde, hat einen doppelten Wert: Zum einen wird damit eine wichtige Forschungslücke geschlossen, da bisher für diesen Zeitraum weder für die französische noch für die deutsche Chinapolitik eine entsprechende Untersuchung vorlag. Neßhöver zieht dabei die These Hanns W. Maulls einer "Merkantilisierung der Außenpolitik" (20) heran und prüft anhand einer detaillierten Analyse von Dokumenten der zentralen außenpolitischen Entscheidungsinstitutionen beider Staaten, ob in den Jahren seit den blutigen Ereignissen von Tiananmen "der Verfolgung nationaler außenwirtschaftlicher Interessen ein eindeutiger Primat gegenüber Fragen der Menschenrechte [...] zuerkannt wurde" (21). Nach Erkenntnis Neßhövers läßt sich diese Tendenz insgesamt trotz unterschiedlicher Schwerpunkte und zahlreicher Kursänderungen in der Chinapolitik für beide Staaten feststellen. Zum anderen gelingt es durch den Vergleich Frankreichs und Deutschlands aber auch zu zeigen, daß die Politiken beider Staaten gegenüber China sich durchaus gegenseitig beeinflussen können: So weist Neßhöver etwa für Frankreich von 1993/1994 an eine "systematische Imitation" der drei Hauptelemente der deutschen Chinastrategie seit 1990 nach: die "stille Diplomatie" in Menschenrechtsfragen, das Prinzip "Wandel durch Handel" und das "Ein-China-Prinzip" mit Blick auf Taiwan (240). Allerdings sei diese Übereinstimmung nur kurzfristig gewesen und basiere überdies rein auf der Verfolgung nationaler Wirtschaftsinteressen, so daß man klar feststellen müsse, daß von einer Grundlage für eine mögliche gemeinsame europäische Chinapolitik noch keine Rede sein kann. Hervorzuheben ist im übrigen die hervorragende Synthese der Geschichte der französisch-chinesischen und deutsch-chinesischen Beziehungen seit 1949, die der Untersuchung voransteht.
Tamara Keating (TK)
Dr., Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 4.22 | 4.21 | 2.61 | 2.68
Empfohlene Zitierweise: Tamara Keating, Rezension zu: Christoph Neßhöver: Die Chinapolitik Deutschlands und Frankreichs zwischen Außenwirtschaftsförderung und Menschenrechtsorientierung (1989 bis 1997) Hamburg: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/8543-die-chinapolitik-deutschlands-und-frankreichs-zwischen-aussenwirtschaftsfoerderung-und-menschenrechtsorientierung-1989-bis-1997_11265, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 11265
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Dr., Politikwissenschaftlerin.
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