/ 06.06.2013
Aike Müller
Die Finanzierung internationaler Umweltpolitik. Eine Erklärung des Vergabeverhaltens und der ungleichen Beteiligung von OECD-Geberländern bei der Vergabe von Umwelthilfe
Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2011; XI, 188 S.; geb., 34,80 €; ISBN 978-3-631-61816-5Sozialwiss. Diss. Hamburg; Begutachtung: K. Holzinger, K.-U. Schnapp, C. Martin. – Dass sich die Staaten der OECD auch jenseits von Sparzwängen unterschiedlich stark an der Finanzierung globaler Umweltpolitik beteiligen, ist bekannt. Der Autor widmet sich nun der bisher von der Forschung weitgehend vernachlässigten Frage, ob die Geberländer eher wirtschaftliche oder doch normative Interessen durchzusetzen versuchen. Die Bedeutung politischer Interessen für die Mittelzuweisung auch in multilateralen Institutionen beschreibt Müller u. a. anhand des Resource Allocation Framework (RAF) in der Globalen Umweltfazilität. Durch dieses hoch komplizierte Instrument solle nach Ansicht des Autors die Verteilung der meisten finanziellen Mittel an Länder wie China, Brasilien oder auch Ägypten sichergestellt werden. Während China auch eine aufstrebende Wirtschaftsmacht ist und in Brasilien die Regenwälder bedroht sind, verweist Müller im Falle Ägyptens auf dessen Rolle als wichtiger strategischer Partner des Westens und meint, dass mit der hohen Mittelzuweisung „nicht nur die umweltpolitische Bedeutung des Landes honoriert wird“ (105). Sowohl in der Untersuchung bilateraler als auch multilateraler Umwelthilfe fällt insbesondere die überdurchschnittliche Beteiligung der skandinavischen Staaten auf. Der Autor sieht hier „ein Indiz für ein nordisches Modell der Umweltfinanzierung“ (112), in der innerstaatliche Normen einer solidarischen Gesellschaft auch für den globalen Umweltschutz gelten. Müller macht also deutlich, dass die Finanzierung globaler Umweltpolitik „entgegen anders lautender öffentlicher Darstellungen“ in ein Geflecht divergierender Interessen und Normen eingebunden ist. Gleichzeitig erlangten „grüne Normen“ in den vergangenen Jahren eine wachsende Bedeutung, während die von „strategischen und wirtschaftlichen Interessen nachlässt“ (149). Abschließend warnt der Autor davor, bei der Mittelverteilung zu stark auf den globalen Nutzen zu schauen, da hierbei regionale Umweltprobleme vernachlässigt würden.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 4.45 | 4.44
Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Aike Müller: Die Finanzierung internationaler Umweltpolitik. Frankfurt a. M. u. a.: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/9175-die-finanzierung-internationaler-umweltpolitik_41850, veröffentlicht am 14.06.2012.
Buch-Nr.: 41850
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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