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/ 04.06.2013
Henryk M. Broder

Die Irren von Zion

Hamburg: Hoffmann und Campe 1998; 288 S.; geb., 39,80 DM; ISBN 3-455-11242-0
Israel feiert in diesem Jahr den fünfzigsten Jahrestag seiner Gründung. Der bekannte Publizist Broder hat dies zum Anlaß genommen, Bilanz zu ziehen. In gewohnt scharfzüngiger Weise arbeitet er die Konfliktlinien und inneren Widersprüche heraus, die drohen, das zionistische Projekt ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, da es seine größten Erfolge durch den Friedensschluß mit Ägypten, Jordanien und das Abkommen mit der PLO erzielt hat, scheitern zu lassen. Der Frieden mit den Palästinensern ist unter der Regierung Netanjahu wieder in unerreichbare Ferne gerückt. Im Inneren nehmen die Spannungen zwischen orthodoxen und weltlichen Juden über die Rolle der Religion im jüdischen Staat Israel ständig zu und stellen die Gesellschaft mehr und mehr vor eine Zerreißprobe. Broder analysiert diese Fragen durch Schilderungen des israelischen Alltags, wobei bei aller polemischen Schärfe stets auch die große Sympathie des Autors für die Israelis durchscheint. Eine Lösungsperspektive sieht er allerdings auf absehbare Zeit nicht. Vielmehr erscheint ihm besonders der israelisch-palästinensische Konflikt für beide Seiten als lebensnotwendig. Broder sagt deshalb voraus, daß der Welt dieser Spannungsherd noch eine Weile erhalten bleiben wird.
Walter Rösch (WR)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 4.412.632.23 Empfohlene Zitierweise: Walter Rösch, Rezension zu: Henryk M. Broder: Die Irren von Zion Hamburg: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/5497-die-irren-von-zion_7184, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 7184 Rezension drucken
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