/ 03.06.2013
James A. Baker
Drei Jahre, die die Welt veränderten. Erinnerungen. Aus dem Englischen von Yvonne Badal
Berlin: Siedler Verlag 1996; 703 S.; 78,80 DM; ISBN 3-88680-526-3Die Aufzeichnungen des ehemaligen amerikanischen Außenministers sind keine Autobiographie im eigentlichen Sinn, sondern vielmehr eine auf die politischen Aspekte beschränkte Rückschau auf die drei turbulenten Jahre seiner Amtszeit im State Department von 1989 bis 1992. Persönliches aus seinem Lebenslauf erfährt man nur am Rande. Zwischen den Zeilen und in kurzen Anekdoten wird jedoch immer wieder das Bild eines höchst pragmatischen, zielstrebigen Mannes deutlich.
Baker hat in seinem Buch anders als Amtskollegen aus anderen Ländern der Versuchung widerstanden, in verklausulierter Amtssprache seinen Terminkalender umzuformulieren. Seine Erinnerungen sind flüssig geschrieben, er geizt nicht mit subjektiven und teils erfrischend undiplomatischen Eindrücken von Land und Leuten, mit denen er zu tun hatte, und er betont immer wieder, wie sehr ihm einige Weggefährten und Amtskollegen auch persönlich nahestanden. Neben seinem langjährigen Freund George Bush und einigen Mitgliedern seines Küchenkabinetts im Außenministerium (Bob Zoellick, Dennis Ross und Margaret Tutwiler) war vor allem das enge Vertrauensverhältnis zu Eduard Schewardnadse von wesentlicher Bedeutung für die Erfolge des Außenministers Baker. Er nutzt in seinem Buch viele Gelegenheiten, dies immer wieder zu betonen, denn die Beziehungen zur Sowjetunion stehen naturgemäß im Mittelpunkt. Immer wieder wird deutlich, wie sehr die Konflikte bzw. die Kooperation zwischen beiden Staaten die Geschehnisse im Rahmen des weltpolitischen Umbruchs prägten.
Neben den bilateralen Beziehungen im engeren Sinne beschäftigt sich Baker vor allem mit den Ereignissen während der deutschen Vereinigung, des Zusammenbruchs der Sowjetunion und dem zweiten Golfkrieg. Zudem widmet er der Suche nach einem Frieden im Nahen Osten breiten Raum.
Dabei gelingen ihm mehrfach sehr aufschlußreiche Schilderungen des Zustandekommens von politischen Entscheidungen vor dem Hintergrund persönlicher Rivalitäten und kleinlich - eigensüchtiger nationaler Interessenvertretung. So ist die atmosphärisch dichte Darstellung des Gerangels um die allgemeine Zustimmung zur 2+4-Formel auf der Open Skies-Konferenz von Ottawa ausgesprochen instruktiv. Auch die Passagen über die Bildung der Golfkriegsallianz zeigen anschaulich die erheblichen diplomatischen Anstrengungen hinter den Kulissen, aber ebenso die trotz allem Pragmatismus klare Prinzipientreue Bakers. Das Buch gehört sicherlich zu den gelungenen Politikermemoiren der letzten Jahre.
Walter Rösch (WR)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 4.22 | 2.64
Empfohlene Zitierweise: Walter Rösch, Rezension zu: James A. Baker: Drei Jahre, die die Welt veränderten. Berlin: 1996, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/2868-drei-jahre-die-die-welt-veraenderten_3774, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 3774
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M. A., Politikwissenschaftler.
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