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/ 21.06.2013
Tania Wettach-Zeitz

Ethnopolitische Konflikte und interreligiöser Dialog. Die Effektivität interreligiöser Konfliktmediationsprojekte analysiert am Beispiel der World Conference on Religion and Peace-Initiative in Bosnien-Herzegowina

Stuttgart: Verlag W. Kohlhammer 2008 (Theologie und Frieden 33); 284 S.; 34,- €; ISBN 978-3-17-019969-9
Theolog. Diss. HU Berlin; Gutachter: A. Feldtkeller. – Die Autorin untersucht mit dieser theoriegeleiteten empirischen Fallstudie das friedensfördernde Potenzial interreligiöser Kooperationen in der Nachkriegsgesellschaft Bosnien-Herzegowinas. Zunächst setzt sie sich ausführlich mit den zentralen Begrifflichkeiten und verschiedenen sozial- und religionswissenschaftlichen Erklärungsansätzen zur Bedeutung von Religion in ethnopolitischen Konflikten auseinander und formuliert ihre These von den auf einer Symbiose von Nation und Religionsgemeinschaft beruhenden Ethnoreligionen. Anschließend widmet sie sich den Ursachen und Auswirkungen des Krieges im ehemaligen Jugoslawien und den Regelungen im Friedensvertrag von Dayton. Es schließt sich eine Darstellung der interreligiösen Beziehungen seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges an. Auf dieser Grundlage und im Anschluss an die „Theorie des relativen Gruppenwertes“ von Donald Horowitz erfolgt die empirische Fallstudie. Die „World Conference on Religion and Peace“ (WCRP), eine seit 1970 bestehende weltweit agierende interreligiöse NGO, hat im Rahmen ihres Konfliktmediationsprogramms im Jahre 1997, nach vierjährigen Vermittlungsbemühungen, den „interreligiösen Rat Bosnien-Herzegowina“ (ICR) gegründet. Beides, die WCRP mit ihren spirituellen Wurzeln und ihrem Arbeitsansatz sowie der ICR mit seiner administrativen Organisation und den bisherigen Aktivitäten, sind Gegenstand einer qualitativen Evaluation. Die WCRP-Initiative zielt auf Versöhnung im Sinne von Wahrheit, Gerechtigkeit und Zusammenleben, heißt es im Gründungsmanifest des ICR. Doch diese Leitbegriffe, so ein Ergebnis dieser insgesamt vielschichtigen und erkenntnisreichen Studie, seien keine universalen Werte, die kontextunabhängig eingesetzt werden können. Zudem stellt die Parteilichkeit der religiösen Akteure ein zentrales Problem dar. Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Konflikttransformation sei die „Abstimmung des Projektdesigns auf den spezifischen Konfliktkontext und auf die Rolle der Projektakteure in diesem Konflikt“ (254).
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.612.232.254.41 Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Tania Wettach-Zeitz: Ethnopolitische Konflikte und interreligiöser Dialog. Stuttgart: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/28403-ethnopolitische-konflikte-und-interreligioeser-dialog_33458, veröffentlicht am 23.07.2008. Buch-Nr.: 33458 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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