/ 21.06.2013
Margarita Palacios
Fantasy and Political Violence. The Meaning of Anti-Communism in Chile
Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2009 (VS Research); 133 S.; softc., 34,90 €; ISBN 978-3-531-16869-2Für die Autorin ist der Gewaltausbruch 1973 nach dem Militärputsch in Chile Teil eines soziokulturellen Kontextes aus Angst und Hass: „in which violence not only aimed to repress left-wing political activists, but also to ‚extirpate from the Chilean soul’ a devil that was destroying the nation, to punish a society for having allowed this to happen, and to restore a patriarchal order“ (7). Palacios fragt, wie es möglich sein konnte, dass sich eine so radikale Form der Gewalt aus einer modernen demokratischen Gesellschaft heraus entwickeln konnte und diese es zudem noch stillschweigend duldete, dass Menschen aus ihr heraus gefoltert wurden und spurlos verschwanden. In ihrer Analyse der chilenischen Zivilgesellschaft erkennt die Autorin eine paradox anmutende Mischung aus Moral und Genuss, einhergehend mit einer perversen Erotisierung des Todes, die sie mithilfe des psychoanalytischen Konzeptes der Fantasie beleuchtet. Palacios geht davon aus, dass sich das politische Feindbild in den Jahren der Diktatur von militanten linksorientierten Aktivisten auf die gesamte chilenische Gesellschaft übertrug. Diese wurde daraufhin als amoralisch und vom Kommunismus infiltriert angesehen. Damit sei sie Täter und Opfer zugleich gewesen. Abschließend erkennt Palacios, dass sich diese gewalttätige Fantasie durch ihre Universalität, ihren Antagonismus, ihre Sexualität und ihren Hass charakterisieren lässt. Diese gesellschaftlichen Phänomene weist die Autorin schon in den 1970 und 1973 abgehaltenen Wahlen nach. Sie zieht daher das Resümee, dass sich der politische Konflikt in Chile noch vor Pinochets Staatsstreich vom ideologischen in den existenziellen und physischen Bereich verlagert hatte. Die chilenische Linke sei entmenschlicht und nicht nur mit dem Kommunismus, sondern auch der Anarchie gleichgesetzt worden, während die chilenische Gesellschaft zu ihrer eigenen Rettung bestraft werden sollte.
Marinke Gindullis (MG)
Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 2.65 | 2.22 | 2.25 | 2.27 | 5.44
Empfohlene Zitierweise: Marinke Gindullis, Rezension zu: Margarita Palacios: Fantasy and Political Violence. Wiesbaden: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31721-fantasy-and-political-violence_37797, veröffentlicht am 10.02.2010.
Buch-Nr.: 37797
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