/ 11.06.2013
Wulf Schmiese
Fremde Freunde. Deutschland und die USA zwischen Mauerfall und Golfkrieg
Paderborn: Ferdinand Schöningh 2000; 323 S.; 68,- DM; ISBN 3-506-77903-6Diss. FU Berlin; Gutachter: A. Baring. - Gerade bilaterale Beziehungen zwischen eng kooperierenden Staaten manifestieren sich nicht nur im Handeln der jeweiligen Regierungen, sondern schlagen sich auch in besonderer Weise in den jeweiligen Bildern nieder, die Gesellschaften und die Medien vom jeweils anderen Land entwickelt und verfestigt haben. Diese wechselseitigen Stereotypen hat die Arbeit aufgrund der deutschen und amerikanischen Elitepresse für den Zeitraum zwischen November 1989 und März 1991 untersucht, d. h. der Phase in den internationalen Beziehungen, die das Ende des Ost-West-Konfliktes markiert. In seinen Schlussfolgerungen betont der Autor vor allem die Kontinuität etablierter Bilder. Insbesondere die deutschen Medien hätten an alten USA-Stereotypen festgehalten, obgleich das internationale System durch das Ende der Bipolarität neuen Paradigmen unterworfen gewesen sei. Drei Amerika-Klischees der Vergangenheit dominierten weiterhin die deutsche Presse: Materialismus, Heuchlertum und Imperialismus. Diese Bilder benutzten deutsche Beobachter seit dem 19. Jahrhundert wie eine Schablone, durch die sie die amerikanische Realität selektiv wahrnähmen. Aber auch die Presse in den Vereinigten Staaten habe immer wieder Bezug auf die historischen Hauptstereotypen Deutschlands genommen. Hier hätten die Bilder vom einerseits demokratischen, andererseits aber unberechenbaren, dominierenden und unzuverlässigen Deutschland die Agenda bestimmt.
Inhaltsübersicht: 2. Nationenbilder; 3. Presse als Vermittlerin von Bildern; 4. Die historischen Amerikabilder in Deutschland; 5. Amerikabilder in der deutschen Presse vom Mauerfall bis zum Ende des Golfkriegs; 6. Die historischen Deutschlandbilder in den USA; 7. Deutschlandbilder in der amerikanischen Presse vom Mauerfall bis zum Ende des Golfkriegs.
Markus Kaim (MK)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Forschungsgruppe "Sicherheitspolitik", Stiftung Wissenschaft und Politik, Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit, Berlin.
Rubrizierung: 2.22 | 2.333 | 2.64 | 4.21 | 4.22 | 4.41
Empfohlene Zitierweise: Markus Kaim, Rezension zu: Wulf Schmiese: Fremde Freunde. Paderborn: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/12120-fremde-freunde_14472, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 14472
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Forschungsgruppe "Sicherheitspolitik", Stiftung Wissenschaft und Politik, Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit, Berlin.
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