/ 21.06.2013
Michael Gottlob
Historie und Politik im postkolonialen Indien
Göttingen: V&R unipress 2008; 232 S.; geb., 38,90 €; ISBN 978-3-89971-443-2Das Buch bietet eine Chronik geschichtspolitischer Auseinandersetzungen in Indien. Detailliert beschreibt Gottlob die Konflikte in immer wieder neuen Konstellationen, zwischen Kommunalisten und Säkularisten, zwischen der Betonung der Eigenständigkeit religiöser und kultureller Gruppen auf dem südasiatischen Subkontinent und dem Appell an den politischen Willen zur Einheit über religiöse Schranken hinweg. Diese Auseinandersetzungen sind nicht erst ein Produkt der neueren Historiografie, sie gewinnen eine besondere Dynamik aus dem Kontext der Entkolonialisierung, reichen aber viel weiter in die indische Geschichte zurück. Besondere Brisanz erhalten die Geschichtsdebatten dadurch, dass in ihnen die Grenze zwischen Wissenschaft und Politik von beiden Seiten bewusst unscharf gehalten wird. Gottlob zeigt diese Verwischung etwa in der Personalpolitik bei der Besetzung der verschiedenen historischen Kommissionen oder am Beispiel vielfacher Auseinandersetzungen um die Geschichtsbilder in Schulbüchern. Bei den vielen Beispielen, die quer durch die indische Geschichte angeführt werden, ist schade, dass der Autor dem Buch weder eine Einleitung noch ein Fazit beifügt, sondern mit dem Ablauf der Kontroverse beginnt und mit Auswirkungen auf den Pluralismus endet. Insbesondere dem Nicht-Experten für die Forschungslandschaft der indischen Geschichtsschreibung wird so die Orientierung unnötig schwer gemacht.
Markus Lang (ML)
Dr., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.68 | 2.22 | 2.23
Empfohlene Zitierweise: Markus Lang, Rezension zu: Michael Gottlob: Historie und Politik im postkolonialen Indien Göttingen: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/29582-historie-und-politik-im-postkolonialen-indien_35021, veröffentlicht am 24.07.2009.
Buch-Nr.: 35021
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Dr., Politikwissenschaftler.
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