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/ 21.06.2013
Stephan Kaufmann

Investoren als Invasoren. Staatsfonds und die neue Konkurrenz um die Macht auf dem Weltmarkt

Berlin: Karl Dietz Verlag 2008 (Rosa-Luxemburg-Stiftung: Texte 51); 92 S.; brosch., 6,90 €; ISBN 978-3-320-02158-0
Ziel der von Deutschland seit Mitte der 90er-Jahre verstärkt betriebenen Standortpolitik ist es, die Investitionsbedingungen für ausländisches Kapital zu verbessern. Doch nicht jedes Kapital ist willkommen. Standen im Jahr 2006 die Hedge-Fonds und Private-Equity-Gesellschaften im Kreuzfeuer der Kritik, so waren es ein Jahr später die „Sovereign Wealth Funds“ (SWF). Mit diesen aus Exporteinnahmen und Haushaltsüberschüssen ausgestatteten Staatsfonds nehmen die neuen Wirtschaftsmächte Brasilien, Russland, Indien und China sowie die rohstoffexportierenden Staaten des Nahen Ostens zunehmend eine einflussreiche Position auf dem internationalen Kapitalmarkt ein. Damit würden nicht nur westliche Unternehmen aufgekauft, so die Warnungen und Befürchtungen aus den Reihen von Politik, Wirtschaft und Medien, sondern die Staatsfonds würden zudem als neues Machtinstrument zur Durchsetzung politischer Interessen eingesetzt. Der Autor, Wirtschaftswissenschaftler und Journalist, greift diese Debatte auf und untersucht, welche Stellung die Staatsfonds innerhalb der globalen Finanzsystems tatsächlich einnehmen, wie sie funktionieren und welche Ziele mit ihnen verfolgt werden. Auch geht er auf die Bedenken der OECD-Staaten und deren politische Pläne zum Schutz vor Staatsfonds ein und betrachtet diese vor dem Hintergrund der globalen politisch-ökonomischen Machtverschiebungen. Das Ausmaß der Investitionstätigkeit von Staatsfonds werde überschätzt, so Kaufmann, zudem unterschieden sie sich in ihrer Zielsetzung kaum von anderen Investoren. Insgesamt sei in der Debatte um Staatsfonds viel Heuchelei und Dramatisierung im Spiel. Sie sei Ausdruck einer Verschärfung der globalen zwischenstaatlichen Konkurrenz, durch die die etablierten Industrienationen herausgefordert seien, von dem Aufstieg neuer Konkurrenten „einerseits zu profitieren und ihn andererseits einzuhegen“ (82). Nach dem Nutzen der Debatte gefragt, stellt Kaufmann fest: „Die Botschaft des Westens gen Russland und China lautet nicht bloß: setzt uns nicht unter Druck! Sondern auch: Wir wollen euch weiter unter Druck setzen können!“ (84)
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 4.432.22.342 Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Stephan Kaufmann: Investoren als Invasoren. Berlin: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/29528-investoren-als-invasoren_34958, veröffentlicht am 21.10.2008. Buch-Nr.: 34958 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA