/ 21.06.2013
Bernard Wasserstein
Jerusalem. Der Kampf um die heilige Stadt. Aus dem Englischen von H. Jochen Bußmann
Wiesbaden: marixverlag 2007; 435 S.; geb., 9,95 €; ISBN 978-3-86539-140-7Der Historiker Wasserstein erzählt die Geschichte Jerusalems als dem lokalen Brennpunkt im Nahen Osten. Vor allem seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs befindet sich die Stadt damit in einer einzigartigen Situation. Überzeugend ist es Wasserstein gelungen, die verschiedenen, sich überlagernden politischen und religiösen Konflikte ohne eine Parteinahme für eine der Seiten zu beschreiben. Und so entsteht ein schonungsloses Bild von Menschen, die – gleich welcher Religion – nur nach der Umsetzung ihrer eigenen Interessen streben. Die wenigen Weitsichtigen, die zum Wohle der ganzen Stadt und ihrer Bürger nach Lösungen für ein friedliches Zusammenleben suchten, wurden vor allem von ihren eigenen Leuten behindert. Wasserstein schildert die religiöse Bedeutung Jerusalems für Juden, Muslime und Christen in ihrer historischen Genese sowie die kriegerischen und politischen Versuche der Israelis und der Palästinenser, die Stadt oder zumindest Teile von ihr zu regieren. Deutlich herausgearbeitet werden die Versäumnisse der britischen Mandatsmacht in den Vierzigerjahren, die ein Machtvakuum erzeugte, das bis heute nicht sinnvoll gefüllt wurde. Geblieben ist auch die Verschachtelung lokaler politischer Interessen mit denen der Nachbarstaaten sowie der Großmächte (vor allem der USA), die im Nahen Osten ihre eigenen Interessen verfolgen. Wasserstein kann angesichts der langen Geschichte konsequenterweise keine einfache Lösung für die Frage erkennen, wem die Stadt gehört (und zu welchem Land) – überhaupt ist es nach wie vor fraglich, ob sie angesichts der widerstrebenden Interessen überhaupt jemals eine unteilbare befriedete Einheit sein könnte und sollte. Nur eines lässt sich eindeutig feststellen: „Der Traum vieler Israelis in der Zeit nach 1967 von einem Jerusalem als einer vorwiegend jüdischen Stadt ist durch die demographische Realität zunichte gemacht worden.“ (372)
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.63 | 4.41 | 2.23
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Bernard Wasserstein: Jerusalem. Wiesbaden: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/28423-jerusalem_33484, veröffentlicht am 04.04.2008.
Buch-Nr.: 33484
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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