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/ 19.06.2013
Conrad Schetter

Kleine Geschichte Afghanistans

München: C. H. Beck 2004 (Beck'sche Reihe 1574); 157 S.; 9,90 €; ISBN 3-406-51076-0
Die „immer wiederkehrende Verachtung bzw. Romantisierung Afghanistans als ein dem Stillstand preisgegebenes, vormodernes Land" (10) übersehe die stetigen Versuche im 20. Jahrhundert, die traditionellen Verhältnisse zu überwinden, schreibt Schetter, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Entwicklungsforschung in Bonn und Vorstandsmitglied der wissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaft Afghanistan. So sei bereits 1923 eine konstitutionelle Verfassung nach dem Modell der laizistischen Türkei unter Atatürk verabschiedet worden, in der die Bürgerrechte festgeschrieben und eine Nationalversammlung einberufen wurden. Auch das Verfahren, mit dem der derzeitige Regierungschef Karzai in der Loya Jirga gewählt wurde, geht auf ein ähnliches Modell aus dem Jahr 1930 zurück. Insgesamt umspannt dieses sehr kenntnisreich geschriebene Geschichtsbuch den Zeitraum vom 6. Jahrhundert v. Chr. bis zur Verabschiedung der neuen Verfassung im Januar 2004. Nach zahlreichen Kriegen und mehrmals unterbrochenen Modernisierungsversuchen stellt Schetter abschließend wenig optimistisch die Frage, „ob Afghanistan jemals in der Lage sein wird, seine Bevölkerung zu ernähren und über einen leistungsfähigen Staat zu verfügen" (143). Mangels Alternativen, so seine Prognose, werden für viele Menschen der Drogenanbau und -handel „der einzig gangbare Weg sein" (143).
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.684.412.212.252.22 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Conrad Schetter: Kleine Geschichte Afghanistans München: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/20876-kleine-geschichte-afghanistans_24342, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 24342 Rezension drucken
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