/ 21.06.2013
Regula Christina Zürcher
Konkordanz und Konfliktlinien in der Schweiz. Eine Überprüfung der Konkordanztheorie aufgrund qualitativer und quantitativer Analysen der eidgenössischen Volksabstimmungen von 1848 bis 1947
Bern/Stuttgart/Wien: Haupt Verlag 2006 (Berner Studien zur Politikwissenschaft 15); 466 S.; kart., 37,10 €; ISBN 978-3-258-07122-0Diss. Bern; Gutachter: W. Linder, J. Steiner. – Landläufig gilt die Schweiz als ein heterogenes, kleinkammeriges Land voll innerer Konfliktlinien (Cleavages), deren zentrifugale Tendenzen durch die Praxis der politischen Konkordanz kompensiert werden. Die Autorin untersucht auf der Grundlage von 142 eidgenössischen Volksabstimmungen in den hundert Jahren zwischen der Gründung des Bundesstaates im Jahr 1848 und dem Jahr 1947, ob und inwieweit die Konkordanz eine stabilitätsfördernde Wirkung auf Politik, Staat und Gesellschaft zeigt. Entsprechend der Theorie müssen sich dabei die politischen Eliten kooperativ verhalten und ihre jeweilige gesellschaftliche Basis von Kompromissen überzeugen können. Dazu werden vier Hypothesenbündel formuliert, die sich mit dem Elitenverhalten, der Struktur des Stimmvolks, dem Einfluss der Eliten auf das Stimmvolk befassen, sowie mit der forschungsleitenden Frage, inwiefern Integration dazu beitragen kann, Konflikte innerhalb der Bevölkerung einzudämmen. Die Studie verbindet dabei historiografische mit politikwissenschaftlicher Forschung, indem die Langzeitperspektive mit quantitativer und qualitativer Datenauswertung kombiniert wird. Als zentrale Konfliktlinien sind in der Schweiz die Cleavages Kirche-Staat, Föderalismus-Zentralismus, die Sprachenfrage, Stadt-Land und Arbeit-Kapital auszumachen. (Neuere Konfliktlinien wie Materialismus-Postmaterialismus und Tradition-Modernisierung werden in einer zweiten Studie des entsprechenden SNF-Projekts „Konfliktlinien im Bundesstaat“ von Christian Bolliger für die nachfolgenden Jahrzehnte untersucht.) Rund 80 Grafiken und Tabellen machen die Konfliktlinien in Gewichtung und zeitlicher Verteilung anschaulich. Die Überprüfung der Hypothesen zeigt, dass die politischen Akteure in den Abstimmungskämpfen weniger als angenommen auf Kompromiss bedacht sind. Zudem verdeutlicht die Studie den begrenzten Einfluss der politischen Eliten auf das Stimmverhalten der Schweizer Bürger.
Burkard Steppacher (BKS)
Prof. Dr., Konrad-Adenauer-Stiftung; Forschungsinstitut für Politische Wissenschaft und Europäische Fragen, Universität zu Köln (http://www.jeanmonnetchair.uni-koeln.de/index.php?id=252).
Rubrizierung: 2.5 | 2.22
Empfohlene Zitierweise: Burkard Steppacher, Rezension zu: Regula Christina Zürcher: Konkordanz und Konfliktlinien in der Schweiz. Bern/Stuttgart/Wien: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/27407-konkordanz-und-konfliktlinien-in-der-schweiz_32113, veröffentlicht am 03.12.2007.
Buch-Nr.: 32113
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Prof. Dr., Konrad-Adenauer-Stiftung; Forschungsinstitut für Politische Wissenschaft und Europäische Fragen, Universität zu Köln (http://www.jeanmonnetchair.uni-koeln.de/index.php?id=252).
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