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/ 18.06.2013
Michael Birnbaum

Krisenherd Somalia. Das Land des Terrors und der Anarchie

München: Wilhelm Heyne Verlag 2002 (Heyne Sachbuch 19/831); 199 S.; 7,95 €; ISBN 3-453-86109-4
Seit dem 11. September 2001 steht Somalia wieder in den internationalen Schlagzeilen und unter dem Verdacht, Rückzugsgebiet für Terroristen von Osama Bin Ladens Al Kaida-Netzwerk zu sein. Der Autor, langjähriger Afrika-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung, geht dieser neuen negativen Popularität des Landes auf den Grund. In chronologischer Aufarbeitung analysiert er die geschichtliche und politische Entwicklung Somalias. Eine parlamentarische Demokratie konnte sich nach der Unabhängigkeit des Landes im Jahre 1960 trotz ethnischer Homogenität nicht etablieren. Birnbaum verdeutlicht, inwieweit koloniales Erbe, Klanfehden und individueller Machtmissbrauch einen dauerhaften Zustand von fehlender Ordnung und Krieg bedingt haben. Mit dem Sturz des Diktators Siad Barre brach in Somalia ein offener Bürgerkrieg aus, der die in Somalia bestehende Hungersnot drastisch verschlimmerte. Der Verfasser schildert wie dies 1992 zur humanitären UN-Hilfsmission UNOSOM führte, die in einer vor allem für die USA desaströsen Militäraktion endete. Er beleuchtet die möglichen Verflechtungen der Al Kaida in die militärischen Aktionen gegen die vor Ort stationierten UN-Soldaten. Die gegenwärtige Situation des Landes wird folgendermaßen beschrieben: "Das neue Spiel in Somalia heißt: Ich nenne meinen Gegner einen Terroristen und hoffe, dass die Amerikaner ihn mir vom Hals schaffen" (158). Birnbaum kommt zu der Schlussfolgerung, dass Somalia, anders als Afghanistan unter dem Taliban-Regime, kein Zentrum terroristischer Netzwerkaktivitäten sei. Der Grund dafür liege in dem Fehlen einer Regierung, welche die Bildung einer ausgeprägten terroristischen Strömung legitimieren könnte. Gleichzeitig stellt Birnbaum jedoch deutlich klar, dass eben gerade diese Nichtexistenz eines funktionierenden Staates sowie die miteinander rivalisierenden Klans die Entwicklung von Terrorismus begünstigen und Räume für Rückzugsmöglichkeiten von Terroristen eröffnen. Inhalt: 1. Terror, Gewalt und Anarchie; 2. Myrrhe, Klans und der verrückte Mullah; 3. Neun Jahre Frühling vor dem Sündenfall; 4. Sturz in ein gewaltiges Vakuum; 5. Der missglückte Modellversuch; 6. Zurück in die ungewisse Zukunft; 7. Somalia wieder allein zu Hause; 8. Spuren des Terrors; 9. Somalia - Land ohne Staat und Hoffnung.
Sven Wagener (SWA)
Dipl.-Politologe, M. E. S.
Rubrizierung: 2.672.25 Empfohlene Zitierweise: Sven Wagener, Rezension zu: Michael Birnbaum: Krisenherd Somalia. München: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/17047-krisenherd-somalia_19587, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 19587 Rezension drucken
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