/ 21.06.2013
Cornelius Adebahr
Learning and Change in European Foreign Policy. The Case of the EU Special Representatives
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2009 (DGAP-Schriften zur Internationalen Politik); 267 S.; 39,- €; ISBN 978-3-8329-4721-7Politikwiss. Diss. Berlin; Gutachter: E. Sandschneider, M. Zürn. – Adebahr nimmt sich einen Untersuchungsgegenstand vor, der bislang nur sehr wenig von der akademischen Literatur beachtet wurde. Dies ist umso erstaunlicher, als hier seit der Ermöglichung dieses Instruments im Vertrag von Maastricht eine wahre Proliferation dieser Gesandten stattgefunden hat, die von bescheidenen Anfängen nun fast ein Dutzend permanent laufender Mandate erreicht hat. Sonderbeauftragte werden in so unterschiedlichen Ländern bzw. Konfliktgebieten wie etwa Bosnien, Georgien, dem Nahen Osten oder dem Gebiet der Großen Seen eingesetzt. Die angesprochene wissenschaftliche Lücke schließt der Autor: Er vollzieht dies in einem auch analytisch fruchtbringenden Zugang, indem er sich auf die Frage des Lernens in Organisationen konzentriert. Auch dieser Zugang, eher geboren in der Organisationssoziologie und Managementliteratur, wird erst seit jüngerer Zeit für die Analyse der internationalen Beziehungen genutzt. Seine Untersuchungsergebnisse zeigen, dass hier wertvolle Standards und Hilfen bei der Operationalisierung von politischem Wandel gewonnen werden können, die für die Deutung des Wandels in der europäischen Außen- und Sicherheitspolitik anhand der Sonderbeauftragten relevant sein können. Neben einem sorgsam erarbeiteten Modell zur Analyse der nach innen (im System der Europäischen Union) und außen (gegenüber den lokalen Akteuren) gerichteten Rollen (von der Informationsgewinnung bis hin zu konkreter Vermittlungstätigkeit) von Sonderbeauftragten kann die Arbeit auch durch ihre Nähe zur tatsächlichen „Empirie“ der Arbeit der Sondergesandten überzeugen. Im Anhang findet sich eine Liste der beachtlichen Zahl von Interviews mit Sonderbeauftragten oder ihren Mitarbeitern auf, aus denen wichtige Informationen zur Beurteilung des noch jungen Instruments hervorgingen. Mehr als ein „Detail“ der außenpolitischen Tätigkeit der EU werden die bisherigen Beauftragten durch Adebahr in den größeren Kontext der Frage des außenpolitischen Akteurs-Status der Union eingebettet und mit vergleichbaren Institutionen im UN-System sowie den Gesandten des US-Präsidenten verglichen.
Manuel Fröhlich (MF)
Prof. Dr., Juniorprofessur für Politikwissenschaft, Universität Jena (www.manuel-froehlich.de).
Rubrizierung: 3.6 | 4.41
Empfohlene Zitierweise: Manuel Fröhlich, Rezension zu: Cornelius Adebahr: Learning and Change in European Foreign Policy. Baden-Baden: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31383-learning-and-change-in-european-foreign-policy_37351, veröffentlicht am 11.05.2010.
Buch-Nr.: 37351
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Prof. Dr., Juniorprofessur für Politikwissenschaft, Universität Jena (www.manuel-froehlich.de).
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