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/ 21.06.2013
Herwig Reynaert / Kristof Steyvers / Pascal Delwit / Jean-Benoit Pilet (Hrsg.)

Local Political Leadership in Europe. Town Chief, City Boss or Loco President?

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2011 (Comparative Local Politics); 411 S.; geb., 42,- €; ISBN 978-3-8329-4649-4
Die Autoren definieren politische Führung in Relation zu den Strukturen ihrer Umgebung: „Being neither great men nor determined products of their milieu, leaders function within institutional structures, societal need (historical legacies meeting transforming needs and demands) and (party) political constellations (position in/of, organisation and support of the party)” (11). Sie charakterisieren Führung als ungleich, hierarchisch und schreiben ihr eine asymmetrische Qualität zu. Diese sei in der Gegenwart durch eine stärkere Personalisierung politischer Führung sowie eine Konzentration exekutiver Vollmachten in den Händen Einzelner gekennzeichnet. Die immer weiter verbreitete Direktwahl europäischer Bürgermeister bestätigt sie in ihrer Grundannahme. So werde diese seit den 90er-Jahren in Deutschland, Polen, Ungarn, aber auch in England verstärkt durchgeführt. Die Autoren betonen, dass durch die Direktwahl eine Verbindung zwischen den Bürgern und ihrer Führung hergestellt werde. Diese erhöhe die Legitimität des Mandatsträgers und stärke die Glaubwürdigkeit der Regierung. Sie verweisen darauf, dass die Einführung der Direktwahl des Bürgermeisters in Italien im Jahr 1993 auf eine durch Korruptionsskandale herbeigeführte Krise des Parteiensystems folgte. Damit sollte die politische Lähmung der lokalen Entscheidungsebene überwunden werden. Die Autoren unterstreichen den Trend einer politischen Führungsfigur als der zentralen Figur, die sowohl den Rest der Exekutive als auch die Legislative an Bedeutung überstrahle. Eine Bestätigung ihrer These sehen die Autoren neben der Direktwahl lokaler Mandatsträger vor allem auch in der so genannten Präsidentialisierung von Regierungssystemen, die sich darin manifestiere, dass dem Präsidenten mehr Machtmittel zur Verfügung stehen und dieser in Beziehung zu anderen politischen Institutionen wie der öffentlichen Verwaltung, aber auch zu seiner eigenen Partei stärker an Unabhängigkeit gewinnt.
Marinke Gindullis (MG)
Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 2.212.242.612.63 Empfohlene Zitierweise: Marinke Gindullis, Rezension zu: Herwig Reynaert / Kristof Steyvers / Pascal Delwit / Jean-Benoit Pilet (Hrsg.): Local Political Leadership in Europe. Baden-Baden: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31228-local-political-leadership-in-europe_37145, veröffentlicht am 17.05.2011. Buch-Nr.: 37145 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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