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/ 21.06.2013
Nike Lohmann

Mikrofinanz in Entwicklungsländern – Hilfe für die Armen? Eine normative Betrachtung

Berlin: Lit 2009 (Spektrum 102); XIV, 428 S.; 39,90 €; ISBN 978-3-643-10198-3
Politikwiss. Diss. LMU München; Gutachter: H. Ottmann, M. A. Ferdowsi. – Mit dem Instrument der Mikrofinanzierung sollen Menschen, die aufgrund ihrer Armut oder anderer sozialer Merkmale wie Klasse, Ethnie, Geschlecht und Religion vom klassischen Finanzdienstleistungssektor ausgegrenzt werden, die Chance erhalten, ihre Lebenssituation aus eigener Kraft verbessern zu können. Es geht auf den Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus zurück und hat in den vergangenen Jahren einen rasanten Aufstieg erfahren. Ist Mikrofinanz „am Ende nur ein Accessoire der Entwicklungspolitik, das den aktuellen Zeitgeist trifft“ (4) oder hilft es tatsächlich bei der Überwindung von Armut und Ungerechtigkeit? Dieser Frage geht die Autorin mithilfe des Capability-Approach von Amartya Sen nach, der mit seinem Ansatz eine „normative Richtschnur für Gerechtigkeitsvorstellungen im Sinne einer Chancengleichheit“ (63) entwickelt hat. Danach, so die zugrunde gelegte Norm der Autorin, kann Mikrofinanz nur dann als erfolgreich betrachtet werden, wenn sie die Entwicklung der Menschen und deren „Capabilities“ fördert. Nach einer einführenden Erörterung dieses Ansatzes werden die Entstehungsgeschichte der Mikrofinanz und deren Dienstleistungen und Akteure dargestellt. Danach ist sie „eine Einrichtung, die die Betroffenen – also die Armen – direkt anspricht und involviert“ (270). Anschließend analysiert Lohmann, wie sich die Mikrofinanzierung – potenziell und anhand empirischer Resultate – auf die Entwicklung der Kunden und ausgewählter „Capabilities“ (Finanzsituation, Bildung, Gesundheit und Empowerment) auswirkt, wobei sie zwischen verschiedenen Kundengruppen differenziert. Lohmann stellt eine Dreiteilung fest: „Ein Teil befreit sich mit Mikrofinanz aus der Armut, ein Teil kann zumindest vorübergehend seine Lage verbessern oder den Status quo erhalten und ein Teil verschuldet sich und verbleibt in Armut“ (343). Die Möglichkeiten würden entscheidend von politischen, sozialen und persönlichen Begleitumständen abhängen. Trotz gemischter empirischer Ergebnisse sei Mikrofinanz ein „gutes Instrument. [...] Aus normativer Sicht sind die Chancen und Möglichkeiten, mit Mikrofinanz Armut zu bekämpfen, vielversprechend“ (387), schreibt die Autorin und formuliert abschließend Faktoren für eine normativ erfolgreiche Mikrofinanz.
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 4.44 Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Nike Lohmann: Mikrofinanz in Entwicklungsländern – Hilfe für die Armen? Berlin: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31824-mikrofinanz-in-entwicklungslaendern--hilfe-fuer-die-armen_37938, veröffentlicht am 28.09.2010. Buch-Nr.: 37938 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA