/ 04.06.2013
Dirk Maxeiner / Michael Miersch
Öko-Optimismus
Düsseldorf/München: Metropolitan 1997 (Leben im 21sten Jahrhundert - die ZukunftsBibliothek); 342 S.; 4. Aufl.; 49,80 DM; ISBN 3-89623-018-2Ökologie und Optimismus sind im Land der Bedenkenträger und Katastrophenbeschwörer eigentlich nicht vereinbar. Sie zeugen zumindest von mangelnder Ernsthaftigkeit und Erdenschwere. Ein Axiom der meisten Umweltschützer lautet, daß jeder Eingriff des Menschen eine Schädigung der Natur ist, meist irreparabler Art. Optimismus ist da fehl am Platze. Die Autoren des erstmals 1996 erschienenen Buches, zwei anerkannte Umweltjournalisten, setzen jedoch das vorherrschende Prinzip des Pessimismus außer Kraft und zählen konsequent auf, was in der Umweltpolitik gelungen ist, welche Potentiale in der technischen Entwicklung stecken, wie natürliche Ressourcen maßvoll ausgenutzt werden können und entzaubern damit eine Reihe von Mythen und Legenden der Ökologie. Vom Ozonloch über die Klimakatastrophe bis hin zur Müllverbrennung wird dabei immer wieder deutlich, wie sehr bis ins Hysterische gesteigerte Kampagnen dem Ziel des Umweltschutzes schaden. Sie haben in Deutschland zu einer Kultur des Restrisikos geführt, in der das Augenmaß mitsamt dem Sinn für die objektiv vorhandenen Risiken verloren gegangen ist. Was nützt es der Nordsee, wenn ein massenhaftes Robbensterben, das durch eine völlig natürliche Virusinfektion hervorgerufen wurde, in einer Kollektivhysterie der Meeresverschmutzung zugeschrieben wird? Was hat die Umwelt davon, wenn zur Erhaltung liebgewordener Denkgewohnheiten Müllverbrennungsanlagen, die längst weniger Dioxin in die Luft abgeben als jedes Kaminfeuer, immer noch als Giftschleudern gebrandmarkt werden? Die Autoren geben eine Fülle weiterer Beispiele dafür, wie ein wichtiges Ziel durch romantisch übertriebene Emotionalisierung, aber auch handfeste Manipulation von Öko-Organisationen zerredet wird. Mit ihrer glänzend geschriebenen und besonders für Nicht-Fachleute geeigneten Provokation der Umweltbewegung wollen die Autoren nicht den Prinzipien der Blauäugigkeit und Beliebigkeit im Umgang mit der Natur das Wort reden. Sie liefern auch keine bequemen Ausreden für einen rücksichtslosen Umgang mit Energie oder handliche Begründungen dafür, die Natur zu plündern. Sie wollen Tabus brechen, die romantische Verklärung der Natur durch eine realistischere Sicht der Dinge ersetzen und der allgegenwärtigen Neigung zu opulenten Untergangsszenarien kritischen Verstand und nüchternen Pragmatismus entgegenhalten, um so das Denken über ein Leben im Einklang mit der Natur von alten Fesseln zu befreien.
Walter Rösch (WR)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.341 | 2.261 | 4.45
Empfohlene Zitierweise: Walter Rösch, Rezension zu: Dirk Maxeiner / Michael Miersch: Öko-Optimismus Düsseldorf/München: 1997, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/4603-oeko-optimismus_6455, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 6455
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M. A., Politikwissenschaftler.
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