Skip to main content
/ 04.06.2013
Alexander Borschtschagowski

Orden für einen Mord. Die Judenverfolgung unter Stalin. Aus dem Russischen von Alfred Frank

Frankfurt a. M.: Propyläen Verlag 1997; 472 S.; 68,- DM; ISBN 3-549-05605-2
Der auf Vernehmungsprotokollen und Prozeßakten basierende Bericht beginnt mit der Schilderung eines vertuschten Mordes an dem jüdisch-russischen Schauspieler und Regisseur Solomon Michoëls. Der Mord von 1948 geschah im Auftrage Stalins selbst, wie aus seit 1992 zugänglichen KGB-Unterlagen ersichtlich ist. Die nachfolgenden Verhaftungen richteten sich gegen jüdische Intellektuelle, denen einerseits eine antisowjetische Grundhaltung bescheinigt und andererseits unter absurden Annahmen und Beweisen Spionage für den Westen vorgeworfen wurde. Polizei- und Geheimdienstapparat inszenierten keine Massenkampagne, sondern eine gezielte Hatz gegen angeblich führende Köpfe der "zionistischen Agenten". Borschtschagowski, damals selbst von den Verfolgungen betroffen, beschreibt in vielen Einzelheiten die Auswüchse eines Antisemitismus, der sich aufgrund des Völkermordes an den Juden durch die Deutschen im Zweiten Weltkrieg nur im Verborgenen entwickeln konnte, um nicht als Waffe im Kalten Krieg gegen die UdSSR bzw. Stalin gewendet werden zu können. Mit dem Tod Stalins hörten die Verhaftungen auf, in der darauffolgenden Entstalinisierungsphase wurden viele Schergen Stalins verurteilt, aber das war mehr eine Beseitigung politischer Gegner als die Verurteilung des Antisemitismus in der UdSSR.
Axel Gablik (AG)
Dr., Historiker.
Rubrizierung: 2.622.25 Empfohlene Zitierweise: Axel Gablik, Rezension zu: Alexander Borschtschagowski: Orden für einen Mord. Frankfurt a. M.: 1997, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/4325-orden-fuer-einen-mord_6094, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 6094 Rezension drucken
CC-BY-NC-SA