/ 20.06.2013
Silvia Michal-Misak / Monique Dorsch / Herbert Strunz
Perspektiven der österreichischen Neutralität. Politische und ökonomische Auswirkungen
Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2005 (Internationale Märkte 11); 198 S.; brosch., 39,- €; ISBN 3-631-53879-0Dieser Band scheint dem Titel nach für den sicherheitspolitisch interessierten Leser geeignet zu sein. Aber leider vergällen die Autoren – eine Politikwissenschaftlerin, zwei Betriebswirte – die Lektüre mit unklaren Begriffen, einem nicht identifizierten Untersuchungsgegenstand, einer nicht nachvollziehbaren und unlogischen Gliederung sowie schließlich einem grundsätzlichen Etikettenschwindel. Denn die Verfasser beschäftigen sich mit verschiedensten Dingen, aber nicht mit denen, die der Untertitel des Buches andeutet: Der Begriff „Auswirkungen“ impliziert doch, dass die österreichische Neutralität hier als unabhängige Variable verstanden wird und Politik sowie Wirtschaft entsprechend als abhängige Größen betrachtet werden. Dementsprechend sollte man eine Analyse der Wirkung von Neutralität auf verschiedene Politikfelder erwarten. Dass Michal-Misak, Dorsch und Strunz aber auf etwas anderes zielen, deuten sie bereits im Vorwort an, wenn sie plötzlich eine Untersuchung der „politischen Rahmenbedingungen“ der österreichischen Neutralität sowie der „ökonomischen Aspekte“ (6) anstreben. Dies hat aber mit dem Titel nur noch wenig gemeinsam. Der erste Teil ist dann eine interessant zu lesende Geschichte der österreichischen Neutralität sowie der entsprechenden innenpolitischen Debatte. Rätselhaft bleibt, warum die Autorin dieses Teils dann auch noch die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik der Europäischen Union im Längsschnitt behandelt. Absurd ist der zweite Teil des Buches, der vorgibt, die wirtschaftlichen Auswirkungen der Neutralität zu untersuchen. Lediglich die Kapitelüberschrift reflektiert dieses Ziel, der Rest ist eine ökonomische Standortanalyse Österreichs, der aber jeder sicherheitspolitische Bezug bzw. eine entsprechende Sachkenntnis fehlt. Leider muss konstatiert werden, dass es sich um ein vollständig zusammenhangloses Werk handelt, über dessen Ziel und Forschungsgang die Autoren offensichtlich nicht nachgedacht haben.
Markus Kaim (MK)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Forschungsgruppe "Sicherheitspolitik", Stiftung Wissenschaft und Politik, Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit, Berlin.
Rubrizierung: 2.4 | 2.22 | 4.22 | 3.7 | 2.2
Empfohlene Zitierweise: Markus Kaim, Rezension zu: Silvia Michal-Misak / Monique Dorsch / Herbert Strunz: Perspektiven der österreichischen Neutralität. Frankfurt a. M. u. a.: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/24481-perspektiven-der-oesterreichischen-neutralitaet_28272, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 28272
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Forschungsgruppe "Sicherheitspolitik", Stiftung Wissenschaft und Politik, Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit, Berlin.
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