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/ 21.06.2013
Jason Burke

Reise nach Kandahar. Unterwegs in den Krisengebieten der islamischen Welt. Aus dem Englischen von Rita Seuß

Düsseldorf: Patmos Verlag 2007; 319 S.; 24,90 €; ISBN 978-3-491-36006-8
Der britische Kriegsreporter Burke beschreibt seine Arbeit als Reporter in islamischen Kriegs‑ und Krisenregionen. Die spannenden Beiträge richten sich an Leser mit geringen Vorkenntnissen zu politischen und kulturellen Hintergründen der thematisierten Regionen und Konflikte. Darüber hinaus profitieren aber auch Wissenschaftler von der Lektüre. Denn durch die Unmittelbarkeit der Eindrücke des Journalisten erhalten sie Augenzeugenberichte und Interviews mit Akteuren, zu denen sie in der wissenschaftlichen Feldforschung üblicherweise keinen Zugang haben – wie etwa Talibankämpfer, Palästinenserführer oder irakische Schiiten. Ebenfalls lesenswert sind Burkes Schilderungen, wie sich die Kriegswahrnehmung eines „embedded journalist“ ändert. Erstaunlich selbstkritisch beschreibt Burke seine Annäherungen an „die“ islamische Welt. Seine Darstellungen spickt der Krisenreporter mit kurzen sachlichen Abschnitten zur besseren Einordnung und näheren Erklärung. Bereits im ersten Kapitel über seine Zeit bei kurdischen Peschmerga‑Kämpfern im Nordirak 1991 erklärt Burke dem Leser anschaulich, wie unterschiedlich der Islam gelebt wird und auf welch vielfältige Weise er die Einstellungen und das Leben der Muslime behandelt. Tauscht man das Wort „Muslime“ gegen „Christen“ aus, wird klar, wie unsinnig die Rede von „der“ islamischen Welt ist. Gleichzeitig verklärt Burke die von ihm besuchten Gesellschaften nicht und kritisiert das Ausmaß und die Brutalität der ausgeübten Gewalt, die archaischen Stammesbräuche und das Potenzial jeder Religion, als Legitimationsgrund für primitivste Gewaltakte missbraucht zu werden. Das Buch ist chronologisch aufgebaut und folgt der Karriere des Autors und seinen Reisen in die verschiedenen Regionen. Anders als in einer Zeitungsreportage konzentriert sich Burke nicht auf einen zentralen Aspekt, sondern gibt die Wirkung des Erlebten in vielfältiger Form wieder. Ihm ist ein aufschlussreiches Buch gelungen, das an keiner Stelle undifferenziert wird oder die Distanz zum Beobachtungsgegenstand verliert.
Dirk Burmester (DB)
Dr., Politikwissenschaftler, wiss. Angestellter der Freien und Hansestadt Hamburg.
Rubrizierung: 4.412.682.232.25 Empfohlene Zitierweise: Dirk Burmester, Rezension zu: Jason Burke: Reise nach Kandahar. Düsseldorf: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/27415-reise-nach-kandahar_32121, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 32121 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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