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/ 21.06.2013
Mechthild Leutner (Hrsg.)

Rethinking China in the 1950s

Berlin: Lit 2007 (Berliner China-Hefte 31); 172 S.; brosch., 20,90 €; ISBN 978-3-8258-0291-2
Es werden zwei Aspekte thematisiert: Die (Neu-)Bewertung der chinesischen Geschichte in den 50er-Jahren sowie die Neukonstruktion der Geschichte des Jahrzehnts aus heutigem Blickwinkel. Das wichtigste historische Ereignis ist dabei der „Große Sprung nach vorn“ von 1958 bis 1962, eine gewaltige, ideologisch geleitete wirtschaftliche Anstrengung, bei der Volkskommunen gebildet wurden und der Stahlproduktion Vorrang vor der Landwirtschaft eingeräumt wurde. In der Folge verhungerten mehrere Millionen Menschen. Bereits vor Beginn dieser Ereignisse allerdings stellten chinesische Historiker die Übertragbarkeit der marxistischen Gesetzmäßigkeiten auf die chinesische Geschichte infrage, wie Weigelin-Schwiedrzik zeigt. Dies habe vor allem für Fan Wenlan gegolten, dessen kritische Überlegungen einen persönlichen Ausgangspunkt gehabt hätten: Die Sowjetunion habe die Veröffentlichung seines Buches über die chinesische Geschichte erst einmal abgelehnt, weil darin die zaristische (!) Politik kritisiert worden sei. Aber auch andere Historiker hätten nach Begründungen dafür gesucht, warum die Einführung des Kommunismus in China nicht nach Plan gelaufen sei und nach einer angemessenen Sklavenhalter- und Feudalgesellschaft gefahndet – Liu Jie sei schließlich zu dem Ergebnis gekommen, dass die chinesische Geschichte aufgrund der Einflüsse des Konfuzianismus abweichend von der Weltgeschichte ablaufe. Für die Gegenwart stellt Leutner die These auf, dass „sich im Unterschied zu früheren Perioden bislang keine neue normative und monoperspektivische Geschichtssicht“ (64) etablieren konnte. Nach wie vor diene die Staats- und Parteiperspektive zwar dazu, die Geschichte der Volksrepublik als Erfolg zu präsentieren und Fehler als Ausgangspunkt für neue Erkenntnisse zu verarbeiten. Entstanden sei dabei eine innerparteiliche Pluralität der Deutungen als Ausdruck des Bemühens, einen Grundkonsens beizubehalten. Allerdings hätten zivilgesellschaftliche Akteure an Bedeutung gewonnen, die von den 50er-Jahren aus der Opfersicht erzählten – als eine Geschichte „des großen Sterbens und des großen Hungerns“ (83).
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.682.252.222.23 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Mechthild Leutner (Hrsg.): Rethinking China in the 1950s Berlin: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/28561-rethinking-china-in-the-1950s_33656, veröffentlicht am 23.04.2008. Buch-Nr.: 33656 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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