/ 05.06.2013
Friedrich Wilhelm Graf / Andreas Platthaus / Stephan Schleissing (Hrsg.)
Soziales Kapital in der Bürgergesellschaft
Stuttgart/Berlin/Köln: Verlag W. Kohlhammer 1999 (Geistige Orientierung heute - Schritte ins 3. Jahrtausend); 176 S.; kart., 36,- DM; ISBN 3-17-015592-XSeit Beginn der sechziger Jahre wird überwiegend in den USA die Debatte um das Konzept des "social capital" einer Gesellschaft geführt. Mit Putnams 1995 veröffentlichten Aufsatz "Bowling alone" hat diese Kontroverse ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht. Im Kern besagt das "social capital"-Konzept, daß die verschiedenen kleinen sozialen Netzwerke einer Gesellschaft, seien es Vereine, Verbände, Nachbarschaftsorganisationen oder Sportclubs, die Basis einer funktionierenden demokratischen Gesellschaft bilden. Hier entstehen gemeinsames Handeln, kollektive Willensbildung und soziales Vertrauen. Kritiker von Putnams Arbeiten machen darauf aufmerksam, daß er in seiner Analyse moderner Gesellschaften die Freiheit des Individuums der Gemeinschaft unterordnet und sich in seiner Krisendiagnose dieser Gesellschaften in der Tradition konservativer Zivilisationskritiker befindet. Nichtsdestoweniger verbleiben Fragen in der Debatte ungelöst: Wie kann man soziales Kapital konkret definieren und messen? Sind die von Putnam für die USA beschriebenen Phänomene auch auf andere moderne demokratische Staaten übertragbar? Sind Beschreibungen gesellschaftlich-kulturellen Verfalls mit ökonomischer Prosperität, wie im Fall der USA, miteinander vereinbar? Dieser Band dokumentiert die Beiträge einer Tagung vom Januar 1998 zu diesem Themen- und Fragenkomplex, organisiert durch die Herausgeber und die Bertelsmann Wissenschaftsstiftung. Putnams Artikel "Bowling alone" wurde hierfür das erste Mal ins Deutsche übersetzt.
Inhalt: Robert D. Putnam: Demokratie in Amerika am Ende des 20. Jahrhunderts (21-70); Rainer Hank: Jobs, Jobs, Jobs oder: Über das Kapital, das Arbeit schafft (71-81); Carl Christian von Weizsäcker: Sozialstaat und soziales Kapital in Deutschland (83-92); Friedrich Wilhelm Graf: "In God we trust." Über mögliche Zusammenhänge von Sozialkapital und kapitalistischer Wohlfahrtsökonomie (93-130); Richard Herzinger: In der Gemeinschaftsfalle. Ohne Individualismus keine Verantwortung oder: Plädoyer für einen über sich selbst aufgeklärten Egoismus (131-145); Ute Frevert: Renaissance der Bürgerlichkeit? Historische Orientierungen über die kulturellen Ressourcen der Wissensgesellschaft (147-160); Andreas Platthaus: Aller Seiten Freund. Was darf der Begriff "Sozialkapital" hoffen? (161-176).
Stefan Göhlert (SG)
M. A., Politikwissenschaftler, Protokollchef und Bürgerbeauftragter in der Verwaltung der Stadt Jena.
Rubrizierung: 2.2 | 2.342 | 2.37 | 2.64 | 2.3
Empfohlene Zitierweise: Stefan Göhlert, Rezension zu: Friedrich Wilhelm Graf / Andreas Platthaus / Stephan Schleissing (Hrsg.): Soziales Kapital in der Bürgergesellschaft Stuttgart/Berlin/Köln: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/6548-soziales-kapital-in-der-buergergesellschaft_8870, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 8870
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M. A., Politikwissenschaftler, Protokollchef und Bürgerbeauftragter in der Verwaltung der Stadt Jena.
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