/ 20.06.2013
Francis Fukuyama
Staaten bauen. Die neue Herausforderung internationaler Politik. Aus dem Englischen von Hartmut Schickert
München: Ullstein Taschenbuchverlag 2006; 191 S.; 7,95 €; ISBN 978-3-548-36810-8Der analytische Ausgangspunkt des Autors, Professor an der Johns Hopkins University, ist die weitgehend ernüchternde Bilanz der bisherigen Versuche, Good Governance im Anschluss an das Ende von innerstaatlichen Konflikten bzw. in von Armut und Gewalt bedrohten Ländern zu gewährleisten. Jedoch reicht ein flüchtiger Blick nach Afghanistan, ins Kosovo oder den Kongo, um zu erkennen, dass den enormen Ausgaben der Geberländer nur bedingt politische, soziale oder ökonomische Fortschritte entsprechen. Die amerikanischen Erfahrungen im Irak haben zudem gelehrt, dass der von einer äußeren Macht induzierte Sturz einer Diktatur eben nicht zwangsläufig zum Aufwuchs demokratischer Strukturen führt. Die daraus erwachsenden Probleme betreffen nicht nur die jeweiligen Bevölkerungen, sondern rücken vor allem die sicherheitspolitischen Folgen fehlender oder zerfallender Staatlichkeit in den Mittelpunkt. Schwache und gescheiterte Staaten sind die Hauptursache für den internationalen Terrorismus und andere Übel unserer Zeit, so Fukuyama. Für viele der Probleme, mit denen die Welt heute auf dramatische Weise konfrontiert sei, gebe es einen gemeinsamen Nenner, nämlich schwache und gescheiterte Staaten, die politischen und religiösen Fanatikern wie auch mafiösen Banden als Operationsbasis dienten. Daher sieht er die zentrale Aufgabe der internationalen Staatengemeinschaft im „state building“ - der Schaffung und Stärkung staatlicher Institutionen in Konfliktregionen. Über diese eher unoriginelle These ließe sich sehr zügig Konsens herstellen, entscheidend ist aber die Frage nach den anzuwendenden Instrumenten und ihrer Wirksamkeit. Fukuyama weist die verbreitete Annahme zurück, politische Institutionen könnten in unterschiedliche regionale Kontexte „exportiert“ werden und würden dann in der Folge immer identische Ergebnisse hervorbringen. Stattdessen verweist er auf die überragende Bedeutung der sozialen und politischen Faktoren, die vor Ort alle importierten Institutionen umformen und unter Umständen sogar nutzlos machen.
Markus Kaim (MK)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Forschungsgruppe "Sicherheitspolitik", Stiftung Wissenschaft und Politik, Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit, Berlin.
Rubrizierung: 2.2 | 2.21 | 4.4 | 5.41
Empfohlene Zitierweise: Markus Kaim, Rezension zu: Francis Fukuyama: Staaten bauen. München: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/25810-staaten-bauen_29967, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 29967
Inhaltsverzeichnis
Rezension drucken
Dr., wiss. Mitarbeiter, Forschungsgruppe "Sicherheitspolitik", Stiftung Wissenschaft und Politik, Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit, Berlin.
CC-BY-NC-SA