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/ 21.06.2013
Roland Seib

Staatsreform und Verwaltungsmodernisierung in Entwicklungsländern. Der Fall Papua-Neuguinea im Südpazifik

Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2009 (Speyerer Schriften zur Verwaltungswissenschaft 7); 429 S.; geb., 74,80 €; ISBN 978-3-631-59077-5
Verwaltungswiss. Diss. Speyer; Gutachter: R. Pitschas, K. König. – Der Autor untersucht den Prozess der Staats- und Verwaltungsmodernisierung Papua-Neuguineas seit 1973 im Kontext des Good-Governance-Konzepts. Die Arbeit folgt einem interdisziplinären Ansatz, bei dem insbesondere verwaltungs- und politikwissenschaftliche Betrachtungsweisen, aber auch soziologische, anthropologische und wirtschaftswissenschaftliche zum Tragen kommen. Zum Good-Governance-Konzept hält Seib fest, dass es sich dabei weniger um „ein analytisches Instrument als ein ‚westlich-präskriptives Steuerungs- und Wertekonzept’“ (86) handelt, es liege ihm ein normatives Grundverständnis europäischer Werte zugrunde. Damit müsse es als ein intervenierender Faktor und Weichensteller für institutionelle Veränderungen wie beispielsweise rechtsstaatliche Verfasstheit oder marktwirtschaftliche Ordnung gesehen werden, so der Autor. Im Abschnitt zum „empirischen Gehalt von Staatlichkeit“, in dem Seib die Verfassung skizziert und Hemmfaktoren für unzureichende staatliche Leistungsfähigkeit Papua-Neuguineas herausarbeitet, konstatiert er eine „Crisis of Governance“ (95). Dabei handelt es sich im Wesentlichen um die altbekannten Kennzeichen in Entwicklungsländern: Korruption und Vetternwirtschaft, ethnische Spannungen, Zweckentfremdung staatlicher Finanzmittel, erfolglose Dezentralisierung, schlecht ausgebildete Staatsbedienstete etc. Den Zustand des Landes klassifiziert er mit den Worten Rainer Tetzlaffs als „schleichende Entkernung moderner Bürokratischer Einrichtungen“ (232). Aber Seib kritisiert auch die Rolle der Weltbank, die unfähig gewesen sei, „öffentliche Aufklärungsarbeit zu leisten und nationale Interessengruppen einzubinden“ (340). An vorderster Stelle der Reformagenda müssten nach Ansicht des Autors die Stärkung der Integrität und Professionalität der Verwaltung einerseits sowie eine neue politische Kultur andererseits stehen. Bei letzterem denkt er vor allem an eine Stärkung der Zivilgesellschaft. Inwieweit sich jedoch europäische Vorstellungen politischer Kultur tatsächlich übertragen lassen, diskutiert Seib kaum.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.662.212.24.44 Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Roland Seib: Staatsreform und Verwaltungsmodernisierung in Entwicklungsländern. Frankfurt a. M. u. a.: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31684-staatsreform-und-verwaltungsmodernisierung-in-entwicklungslaendern_37752, veröffentlicht am 23.02.2010. Buch-Nr.: 37752 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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