/ 21.06.2013
Martin Sabrow (Hrsg.)
1990 – eine Epochenzäsur?
Leipzig: Leipziger Universitätsverlag 2006 (Helmstedter Colloquien 8); 78 S.; brosch., 13,- €; ISBN 978-3-931982-46-1Die Autoren fragen, welchen Rang die Zäsur von 1989/90 in der Geschichtsschreibung einnehmen wird. Sabrow sieht die Zeit von 1917/18 bis 1989/90 im Rückblick als Epoche der klassischen Ordnungsmoderne, die mit der Zäsur 1989/90 ihr Ende gefunden habe. Jedoch dürfe man dabei nicht den Blick für die „Konkurrenz der Zäsuren“ (23) verlieren. Der 11. September 2001 mit seinen bis heute unabsehbaren Konsequenzen lehre, dass dem Ende der deutschen Teilung als Zäsur etwas regional Beschränktes anhafte. Darüber hinaus verändere sich Staatlichkeit, und für selbstverständlich gehaltene hoheitliche Aufgaben wie das Post- und Bahnwesen verschwänden. Zudem stehe die europäische Arbeitsgesellschaft vor „einem krisenhaften Umbruch“ (24). Das Modell des Sozial- und Wohlfahrtsstaats stehe heute in einem Maße in Frage, für das weder die NS-Zeit noch die DDR als Beispiel dienen könnten, während die Weimarer Republik gerade an ihrer Unfähigkeit zur Sozialstaatlichkeit zugrunde ging, führt Sabrow aus. Mit Blick auf die Globalisierung fragt er, ob 1990 zu einem bloßen Ausdruck einer globalen Fortschrittskrise werden könnte, der die „staatliche Planwirtschaft […] nur noch viel schneller zum Opfer fiel, als das Modell der sozialen Marktwirtschaft“ (26). Detlef Juncker betrachtet Deutschland in der internationalen Politik seit der Wende. Besorgt äußert er, „dass die deutsche Unfähigkeit, im Innern strukturelle Reformen durchzusetzen […] das außenpolitische Gewicht Deutschlands verringert hat“ (29). Der Autor benennt fünf Bedingungen deutscher Außenpolitik: das Ende der europäischen Kolonialreiche, die Weiterentwicklung der Europäischen Union, die Politik der USA, die Globalisierung und schließlich die neue Sicherheitslage nach Ende des Kalten Krieges angesichts von Terrorismus und Massenvernichtungswaffen. Zudem müsse die deutsche Außenpolitik klarer nationale Interessen formulieren, da sie möglichen Erpressungsversuchen von Energie liefernden Staaten fast hilflos ausgesetzt sei. Der Band ist Ergebnis der 11. Helmstedter Universitätstage 2005.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.315 | 4.21
Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Martin Sabrow (Hrsg.): 1990 – eine Epochenzäsur? Leipzig: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31547-1990--eine-epochenzaesur_37566, veröffentlicht am 28.01.2010.
Buch-Nr.: 37566
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Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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