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/ 20.06.2013
Stefan Kramer

Vom Eigenen und Fremden. Fernsehen und kulturelles Selbstverständnis in der Volksrepublik China

Bielefeld: transcript 2004; 572 S.; kart., 29,80 €; ISBN 3-89942-208-2
Habilitationsschrift Konstanz. - Kramer analysiert aus medien- und kulturwissenschaftlicher Sicht die Verknüpfungen zwischen dem Fernsehen und den gesellschaftlichen Diskursen in China. Gestützt auch auf die chinesische Fernsehforschung, erläutert er die Geschichte der technischen Medien in der Volksrepublik und zeigt, wie Film und Fernsehen von der Partei- und Staatsführung kulturell angeeignet und politisch vereinnahmt wurden. Aber nur in der ersten Phase seiner massenhaften Verbreitung bis in die 80er-Jahre habe das Fernsehen fast ausschließlich der Massenkommunikation von Regierungsdiskursen gedient, so Kramer. Zwar seien auch seit der „Entdeckung [des Fernsehens] als ökonomisches Objekt durch die Industrie“ (258) in den 90er-Jahren system- und kulturkritische Formate nach wie vor eher selten. Aber die globalisierte Populärkultur (Werbefernsehen, MTV China) rüttle nachhaltig am nationalen Wissens- und Bedeutungsmonopol von Partei und Regierung. Insgesamt wird deutlich, dass mit der Entwicklung des neuen Leitmediums Fernsehen Veränderungen in Gesellschaft, Kultur und Politik einhergingen und -gehen - nicht im Zuge einer Kolonialisierung durch eine aus dem Westen kommende Technik, sondern in Form einer kulturellen Aneignung.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.682.222.23 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Stefan Kramer: Vom Eigenen und Fremden. Bielefeld: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/22715-vom-eigenen-und-fremden_25925, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 25925 Rezension drucken
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